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Inge (Profil) schrieb am 30.01.2019 12:19

Kopfschütteln :o/

Hallo,

Auskotzposting. Oder vielleicht auch nicht, ich verstehe es nur nicht und da es für mich die letzten 2 Wochen häufiger Dinge gab (und die Monate davor), die ich nicht verstanden habe "kotze" ich mich jetzt doch hier aus.

Ich helfe ja beim Kindertraining bei einer Kampfkunst und beim Kinderturnen. Außerdem mach ich hin und wieder Schulweghelferdienst:

Letzte Woche im Kampfsport. Eine Mutter hatte ihr Kind telefonisch angekündigt. Kind 6 Jahre alt wollte (sollte?) zum Schnuppertraining kommen.
Das Kind kam auch. Die Oma macht die Tür auf: "Das ist der A. Die Mutter hat gestern angerufen wegen dem Training. Ich hole in in einer Stunde wieder ab." Und weg war sie.
AHA. Da stand der kleine A. also, hatte keine Ahnung was wir machen und wofür er hier ist. Gut, das konnte rasch geklärt werden. Nur dass A. überhaupt keinen Bock auf Kampfsport hatte.
Er hat sich ne halbe Stunde zum mitmachen motivieren lassen. Er hat sich sehr schwer getan, hatte noch arge Probleme mit der allgemeinen Koordination, schon beim Aufwärmen. Nach einer halben Stunde war der Ofen aus und er hat dankbar das Angebot angenommen sich raus zu setzen und zu warten bis er abgeholt wird.
Oma kam, "Bist schon fertig, schön, auf Wiedersehen bis nächsten Freitag" :oO
Wir haben uns dann die Oma im Abflug geschnappt und erklärt, dass es noch etwas zu früh ist. Dass das Kind die nötige Koordination und Konzentration noch nicht hat und auch noch kein Interesse am Kampfsport. Wir könnten es in einem Jahr ja noch mal probieren.
Mir geht es nicht um das Kind. Das war lieb und freundlich, aber heillos überfordert. Mir geht es um die Art und Weise der, in dem Fall, Oma.
Wenn ich mein Kind in irgendeine Gruppe hinbringen möchte, stelle ich mich da nicht erst mal vor? Sehe ich mir die Leute nicht mal an, denen ich mein Kind anvertraue? Sehe ich mir nicht erst mal das Konzept an? Was vermittelt wird, wie es vermittelt wird, wie der Umgang mit den Kindern ist...
Abgesehen davon, dass das Kind erst im September 6 wird und nicht schon 6 ist.


Gestern, Turnen. Leistungsgruppe, 5-7 Jahre.
Eine Mutter kommt mit ihrer gerade eben vierjährigen Tochter und wollte sie anmelden. Wir haben erklärt, dass es mit gerade vier Jahren meist noch zu früh ist, aber das Kind kann sich gerne umziehen und mit machen, dann sehen wir ja, ob es schon geht.
Erst hat sich das Kind nicht getraut mit zu machen. Ist nicht ungewöhnlich, auch bei älteren Kindern nicht, es ist alles neu und ungewohnt und natürlich ein ziemliches Gewusel.
Kind und Mutter haben also erst mal zugeschaut. Mutter hat ein paar mal versucht das Kind zum mitmachen zu bewegen, Kind hat sich nicht getraut. Schließlich hat die Mutter das Kind zur den anderen Kindern gebracht, es da stehen gelassen und sich auf die andere Seite der Halle gesetzt. War vielleicht nicht der beste Lösungsversuch. Wir sind für das Kind fremd. Wir haben versucht das Kind zu "locken" es ist aber immer wieder zurückgeschreckt, auch wenn die anderen Kinder versucht haben es zu motivieren. Es war einfach noch sehr unsicher und scheu.
Ich habe also die Mutter wieder geholt damit sich das Kind nicht ganz so verloren vorkommt.
Nach dem Aufwärmen ging es an die Geräte. Ich wie üblich am Sprung und nachdem ich die Neulinge hatte, die erst mal die absoluten Grundlagen lernen müssen, habe ich vor die Matte ein Minitramp gestellt. Kastendeckel davor. Die Kinder sollten einfach nur lernen, wie man abspringt und landet. Diejenigen die schon ein paar mal dabei waren sollten einen Strecksprung machen. Dazu wie immer ein Übungparcours, damit die Kinder nicht ewig anstehen und warten: eine Bank zum drüberlaufen und hinten runterspringen, 2 Matten für Absprungübungen, ein Kasten plus Matte zum drüberklettern und am Startpunkt, also vor dem Kastendeckel ein Balancebrett.
Die größeren haben für den Parcours Aufgaben bekommen, die beiden kleinen Mäuse durften drüber wie sie wollten. Aber machen mussten den Parcours alle.

Da war schon mal das erste Problem die Mutter (und damit das Kind) davon zu überzeugen, dass ALLE den Parcours in der vorgegebenen Reihenfolge machen, die anderen Kinder müssen sonst ja warten. Außerdem brauchten die größeren Kinder den Kastendeckel weiter hinten, da musste ich also immer umschieben. Mache ich gerne, aber dann müssen die Kinder halt halbwegs nach Größe geordnet kommen.
Eingesehen hat das die Mutter dann, als ich ihrem Kind einen festen Platz hinter Kind B. gegeben habe. Das war ihr Platz und bevor Kind B nicht gesprungen war, durfte ihres auch nicht springen. Dann gings mit dem Parcours doch, sonst hätte ihr Kind ja immer warten müssen. Und dann kam das Problem, dass der Parcours auf einmal viel lustiger war als das Springen...
Nach einer halben Stunde war die Konzentration weg und die Lust auch.
Danach wäre es ans nächste Gerät gegangen. Ich habe mit den Größeren was aufgebaut was sie selbst können und mich mit der Mutter auseinandergesetzt.

Das Kind ist noch zu jung. Sie kann es gerne in einem Jahr noch mal probieren, aber momentan ist das Kind noch überfordert. Das IST halt ne Leistungsgruppe, die Kinder müssen also gewisse Dinge können, zumindest mal die Basis: Zuhören, Anweisungen befolgen, Bereitschaft selbständig etwas zu machen und außerdem sollten die Kinder was die Bewegungskoordination anlangt zumindest mal auf einer Linie laufen, Hüpfen, Hampelmann etc. können.

Das Anweisungen befolgen hätte in dem Fall offensichtlich schon alleine deshalb nicht geklappt, weil das Kind noch fast kein Deutsch spricht. (Das bitte nicht als "Ausländerbashing" verstehen, das war halt in dem Fall noch zusätzlich ein Problem, mit deutschen Eltern hatten wir solche Diskussionen wg. „noch zu früh“ auch schon).

In Kurzfassung: Mein Rat war: Kind in die Kindersportschule oder in die Ballschule geben und in einem Jahr wieder kommen. Dann ist das Kind von der Entwicklung, motorisch wie sozial weiter und kann auch besser Deutsch.

- "Kindersportschule ist so teuer." Gut, verstehe ich, 20 Euro im Monat ist für viele Leute viel Geld. In Härtefällen gibt es aber Rabatt bis zu kostenlos.
Aber wenn es sich finanziell gar nicht einrichten lässt, bleibt ja auch noch jede andere Sportart die ein Angebot im Kleinkind-/Kindergartenalter hat und der SPIELPLATZ.
Da lernt man auch sich zu bewegen.
- Nee, Spielplatz geht nicht. Das Kind soll richtig lernen sich zu bewegen.

Ich habe echt ne gute halbe Stunde versucht der Mutter zu erklären, warum unser Turnen zumindest im Moment für das Kind nicht geeignet ist, und was es sonst noch für Möglichkeiten gibt, sie war total uneinsichtig.
Die eine Stunde allgemeines Kinderturnen im anderen Verein ist zu wenig, Kindersportschule ist zu teuer, Spielplatz geht nicht, anderer Sport geht schon gar nicht.
Sie will dass das Kind bei uns mit macht. Nun ja, WIR wollten das JETZT nicht. Nicht weil wir zu faul sind uns um ihr Kind zu kümmern, sondern weil das Kind total überfordert wäre. Dafür gibt es ja die anderen Angebote und Möglichkeiten, damit für jeden was dabei ist.
Das Problem, dass sich nicht jeder alles leisten kann, kann ich leider auch nicht lösen. Meine Tochter durfte auch nicht zum Reiten, weil es zu teuer ist.


Heute, Schulweghelferdienst. Ich stehe an einer Kreuzung mit Ampel. Kind kommt mit Roller quer zur Hauptstraße über die Ampel und wartet dann auf meiner Seite. Das kenne ich schon, der wartet immer auf seinen Freund.
Ampel war grün, er wartet natürlich weiter, sieht dann seinen Freund und schießt über die Ampel rüber. Ich hab ihn gerade noch erwischt, er wäre voll in ein abbiegendes Auto reingefahren, das natürlich auch nicht damit gerechnet hat, dass jemand erst ewig bei grün stehen bleibt und dann losgeht wie ein Renngaul. Naja, ein Kind ist ein Kind und sein Verhalten kindgerecht.
Ich habe ihn trotzdem noch mal zurück auf meine Seite geholt und erklärt, dass er an der Kreuzung aufpassen muss. Auch wenn er grün hat, v. a. wenn er vorher stehen geblieben ist und es für niemanden zu erkennen war, dass er rüber möchte. Und v. a. soll er bitte vom Roller absteigen (dann ist es auch schwieriger wie ne Rakete loszuschießen). Kind etwas betroffen weiter gefahren.

Mutter eines anderen Kindes: "Da verstehe ich Sie aber nicht. Der Junge hatte grün, der Autofahrer hätte anhalten müssen". Ja, hätte er. Nur konnte er genau so wenig Gedanken lesen wie ich. Ich habe der Mutter auch noch mal die Situation erklärt, sie beharrte auf dem Standpunkt, dass ich keinerlei Grund gehabt hätte das Kind zurecht zu weisen, ER HATTE GRÜN!
Hilft ihm nur leider gar nichts wenn er das nächste mal deswegen unter einem Auto liegt. Natürlich ist sein Verhalten für ein Kind normal. Kinder sind impulsiv. Aber wie soll er es denn für später lernen wenn ihm keiner sagt wie er sich richtig verhalten soll?


Antworten

ConnyH (Profil) schrieb am 30.01.2019 12:57

Hallo Inge,

ich schieb dir erst mal nen schönen warmen Kakao rüber...
Ja, da kannst du echt nur noch mit dem Kopf schütteln. Bei der Oma -ohne jetzt genau die Situation zu kennen- hätte ich vermutlich noch ein bisschen mehr Wohlwollen und würde es mit dem Alter/ zu wenig Erfahrung im Umgang mit dem Enkel usw. erklären...daneben ist es trotzdem.
Die Mutter an der Ampel kann ja mal ihr Kind anfahren lassen. Einfach nur bescheuert.

Irgendwie erinnern mich deine Stories an diverse Gespräche, die ich z.Zt. oft mit meinem Mann führe...Tenor: jeder (jaaa, Schublade erlaubt ;o) meint im Moment, alles kritisieren zu dürfen, ohne _konkret_ und konstruktiv zu sein. Selber nicht engagieren, dafür aber hohe Forderungen stellen, hektisch sein, undundund. Kann einen schon mal richtig gut ankotzen, kann ich verstehen.
Ich hab das immer wieder auf Schulveranstaltungen erlebt: 1-2 mal im Jahr wird Eltern-Mitarbeit in Form von "ich helfe mal ne halbe Stunde bis Stunde an einem Stand" mit benötigt. Bisher hat es für mich in der Pflegschaft _nie_ geklappt, für alle Dienste die Eltern zusammenzubekommen...ich hab da Gelassenheit entwickelt nach 6 Jahren und wäre auch mal sehr dafür, einen Stand einfach mal zu schließen. Wenn ich meinen A* nicht hochbekomme (2mal im Jahr!), kann ich auch nix essen & trinken. Basta.
Es ist für viele Vieles so selbstverständlich geworden. Da wird nix hinterfragt, Hauptsache, ihr Kind kommt weiter.

Kopf hoch und erfreue dich an denen, die keinen Voll-Knall haben ;o)


LG ConnyH

Mornica (Profil) schrieb am 30.01.2019 17:03

Von mir ein heißer Tee ... bitte, hier, für dich :-)

Ja, manchmal kommt es eben geballt. Du hast halt viel mit Eltern zu tun, mehr als der Durchschnittsbürger oder selbst die Durchschnittseltern.
Da kommen einem leider immer wieder solche unter, wie du sie erlebst. Bei allen drei beschriebenen Situationen sehe ich das genauso wie du. Nur, es ist und wird immer bleiben, dass ein bestimmter Anteil an Eltern oder auch anderen Mitbürgern irgendwie nicht so den rechten Überblick hat und vor allem in Konsequenzen denkt.

Gerade die Situation an der Ampel - hatte mal ähnliches an einer Fußgängerfurt im Tempo 30-Bereich. Die Kinder müssen es eben erst lernen, dass andere Verkehrsteilnehmer sie vielleicht nicht sehen oder nicht schnell genug reagieren können [kleiner Exkurs: bei den dunkel gekleideten Teenies auf unbeleuchtetem Rädern hier in den Nähe zweier großer Schulen ist diese Information offensichtlich auch noch nicht angekommen oder schon wieder verloren gegangen, die möchte ich mir gern mal schnappen und auf meinen Beifahrersitz verfrachten, während ich mich im Schritttneckentempo durch die Straße taste und trotzdem dauernd fast einen Radfahrer auf der Motorhaube habe].

Diese Art des Hineindenkens geht vielen Grundschulkindern eben noch ab. Und dann sind sie eben auch oft auf etwas anderes fokussiert. Also, richtig! Immer wieder so sagen.

Und mit dem Sport ist es ja das Problem der Eltern bzw. Großeltern, dass ihnen offensichtlich die Wahrnehmung fehlt, was ihr Kind schon (lernen, wuppen) kann. Oder anders herum, dass ihnen bestimmte Entscheidungen und Fähigkeiten nicht zugetraut werden.

Gruß,
Bettina

Lola (Profil) schrieb am 30.01.2019 17:17

Ich wünschte, meiner Tochter würde mal jemand das mit der Ampel erklären. Ich rede mir da den Mund fusselig und sie rennt immer noch einfach rüber, ohne auf abbiegende Autos zu achten.

Danke, daß Du trotzdem weiter machst (geh ich mal von aus :-) ) .

Wir hatten mal beim Kinderturnen folgende Situation: Die STunde hatte noch nicht angefangen, alle Kinder rannten herum, die Eltern standen herum, haben sich unterhalten, mitgeholfen oder auf den Bänken gesessen. Ich als einzige habe meine Kleine dort (nach einer gewissen EIngewöhnungszeit) abgegeben und mich auf die Tribüne gesetzt, um sie zu beobachten, bis die STunde anfängt. Ich habe sie auch von oben ermahnt und sie hat immer reagiert. Auf einem offenen Kasten war eine Bank reingehakt, das andere Ende am Trapez (also irgendeine Stange durch die Ringe, wie genau, weiß ich aber nicht mehr). Ein Kind gibt dem Ding einen Schubs und die Bank schaukelt heftig (also wirklich zwei Meter oder so) hin und her, trifft dabei fast ein anderes Kind. Ich ruf zu einer Mama runter, sie soll mal schnell dahin. Guckt sie bloß mich verständnislos an, guckt sich die Bank an, dreht sich um und quatscht weiter... Zum Glück kam dann die Übungsleiterin unten vorbei, die ich darauf aufmerksam machen konnte...

Manche Eltern sind wirklich einfach doof.