"(Wirre) Gedanken zum Klima"

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solskinn (Profil) schrieb am 27.02.2019 08:45

(Wirre) Gedanken zum Klima

Hallo und guten Morgen,

mich beschäftigt schon immer mal wieder das Thema Umweltschutz, Klima usw. Ich habe nicht aus rein ökologischen Gründen mit Stoff gewickelt, aber dann irgendwie doch. Ich trenne seit Jahrzehnten akribisch meinen Müll. Es tut mir körperlich weh, wenn ich sehe, dass jemand Müll konsequent falsch (oder gar nicht) sortiert. So Leute gibt es. Riesige restmülltonne und wöchentlich rausstellen. Würde mir auch finanziell wehtun, aber gut. Ich habe einen Kompost im Garten, immer ein wenig Obst und Gemüse im eigenanbau (aber keine Selbstversorgung oder so), lege keinen Wert auf ein PS-starkes Auto, kaufe regional und saisonal. Aber ich bin nicht komplett konsequent. Fahre immer wieder auch Kurzstrecken, habe viel zu viele Umverpackungen aus Plastik, kaufe keine nachhaltige Kleidung (immerhin für die Kinder meist Second Hand...) usw. Ich würde sagen, mir ist die Problematik insgesamt bewusst, aber 100% schaffe ich es nicht ökologisch verträglich zu leben.
(Ich habe sogar für dieses Jahr einen Langstreckenflug gebucht...)

Nun aber zum eigentlichen Thema. Ich habe zufällig die Doku „Cowspiracy“ gesehen. Darin wird dargelegt, dass die Nutztierhaltung einer der größten Verursacher des menschengemachten Klimawandels ist. Am Ende wird als Lösung präsentiert, dass ein Veganes Leben der Menschheit den Großteil des Methanausstoßes reduzieren und den Klimawandel deutlich nachhaltiger und schneller aufhalten könnte als der komplette (und nicht denkbare) Verzicht auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe.
Anfangs dachte ich bei den Dimensionen, als es um die Fleischproduktion ging, so bei mir, dass das schlüssig klingt. Weitgehend auf Fleisch zu verzichten, würde mir sicher nicht schwerfallen. (Wobei ich natürlich schon denke, was lege ich denn dann im Sommer auf den Grill? Nie wieder Döner? So eine Roulade ist ja schon lecker...) Oder Wurst. Wurst ist ja eigentlich absurd. Man schmeckt ja nur das Fett und die Gewürze und es gibt für all das sicher „Ersatzstoffe“. Okay, da könnte ich meinen Beitrag leisten.
Aber vegan? Morgens Müsli mit Milch. Viel Milch, weil viele Personen Müsli essen. Ein Schuss Milch in den Kaffee. Wenn ich keine Wurst mehr aufs Brot lege, dann ja wohl Käse, aber Käse ist nicht vegan. Was dann? Auberginencreme? Wie nachhaltig ist mandelmilch, wenn Mandeln hier nicht wachsen und importiert werden müssen? Wie nachhaltig ist Auberginencreme? In meinem Garten wachsen keine Auberginen... Oder Soja. Ist das besser als das Ei eines Huhnes, das hier im Dorf durch einen Garten rennt? Natürlich verbraucht das Huhn Fläche und Futter, das wiederum angebaut werden muss und Fläche verbraucht und Wasser und vielleicht gedüngt wird mit was weiß ich was. Muss ich am Ende selbst Hühner halten in meinem Garten, den es ja eh gibt... na gut, das geht zu weit.

Was ich damit sagen will, ist, dass mich das alles sehr verwirrt. Mir erschließt sich die Größenordnung schon, die an Zerstörung der Erde von der nutztierhaltung ausgeht. Das fand ich echt nachvollziehbar. Aber mir erschließen sich die Alternativen noch nicht. Was ist da wirklich besser? Ich meine essen müssen wir ja am Ende irgendwas...

Versteht ihr, was ich meine? Mich würden eure Gedanken dazu interessieren. Ist euch die Thematik bewusst? Wie geht ihr damit um? Wie lebt es sich vegan? Ist das im Sinne der Ökologie wirklich immer besser?
Wie gesagt, für mich konsequent vorstellen kann ich es eh nicht. Aber vielleicht fehlt mir auch nur der entscheidende Denkanstoß?!

Grüße!

Antworten

Martina (Profil) schrieb am 27.02.2019 09:16

Hi solskin,

ich kann dich gut verstehen und habe mir auch schon ähnliche Gedanken gemacht...
Wir versuchen auch möglichst umweltverträglich zu leben, aber ich vergesse trotzdem immer wieder mal die Dosen zum Einkaufen mitzunehmen und dieses Jahr fliegen wir sogar auch mal in Urlaub...

Wegen des Essens ...
Anfang des Jahres wurde eine Studie von verschiedensten Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Ländern veröffentlicht, was denn ein vernünftiger Essensplan wäre. Ich finde den Plan ziemlich interessant, vor allem weil er nicht vegan ist. Das einzige was meiner Familie zu schaffen machen würde, wären die wenigen Kartoffeln... Fleisch müssten wir etwas umstellen, mehr Huhn und Fisch und etwas weniger Schwein. Leider auch weniger Eier.
Den Milchverbrauch habe ich schon vor einigen Jahren wegen extremen Eisenmangels reduziert, keine Milch mehr in den Tee hat dazu geführt, dass wir statt 7 Flaschen Milch nur noch 2-3 pro Woche brauchen.

Auf die Schnelle habe ich nur den Link unten zu einer Zusammenfassung der Studie gefunden.

LG,

Martina

http://www.badische-zeitung.de/gesundheit-ernaehrung/ein-speiseplan-rettet-menschen-und-die-erde--167066763.html

Anonym schrieb am 27.02.2019 12:14

Naja, würde ich in Costa Rica oder so wohnen wäre es wohl leichter "klimaverträglicher" zu leben, also in allem, nicht nur essenstechnisch.
Aber hier ????!!!! Sehr schwer.
Und schwedische Forscher haben herausgefunden, dass Kinder heutzutage die allergrößte Umweltsünde sind. Vermutlich wegen der vielen WWW und dem vielen oft unnötigen Accessoires?

Seitdem wir mal bei einem Notfall im Haus den Rettungsdienst da hatten und wir die verhältnismäßig riesige Menge Plastikmüll sahen , die bei uns liegenblieb(also wir waren schon dankbar ,dass da wer kam und helfen konnte) , fällt es mir schwer zu glauben ,dass die gesamte Problematik nur am Fleisch hängt.

Ich meine ,wenn jeder wirklich nur soviel und das nehmen würde ,was er braucht , würde das schon viel helfen. Bzw. wenn er es nicht mehr braucht sich dafür verantwortlich fühlen würde, es möglichst irgendwie noch einer Weiternutzung zuzuführen.
Und die Frage : Was benötige ich wirklich neu?
Ich meine das gesamte Thema hat viel mit Achtung und Achtsamkeit und Liebe zu tun , auf allen Ebenen.

Ich esse seit Kindheit sehr viel vegan , aber nicht wegen des Klimas , sondern aus mir selbst heraus. Dass es besser für das Klima sein soll, wenn ich vegane Nahrungsmittel zu mir nehme , die hier nicht wachsen oder mit viel Aufwand hergestellt werden, kann ich schwer erfassen. Auch wenn sie mir schmecken ;)
Hier also nicht minder wirre Gedanken dazu.

Und wenn man dann noch sich bewusst macht ,dass nicht nur Nahrungsmittel , sondern zuvor auch deren Verpackungsmaterial kreuz und quer durch die Weltgeschichte gekarrt , geschifft und geflogen wird...und zuvor evtl. auch die Rohstoffe für die Verpackungen ebenfalls....
K.










akira (Profil) schrieb am 27.02.2019 16:24

Dass es besser für das Klima sein soll, wenn ich vegane Nahrungsmittel zu mir nehme , die hier nicht wachsen oder mit viel Aufwand hergestellt werden, kann ich schwer erfassen. Auch wenn sie mir schmecken ;)
Hier also nicht minder wirre Gedanken dazu.

Und wenn man dann noch sich bewusst macht ,dass nicht nur Nahrungsmittel , sondern zuvor auch deren Verpackungsmaterial kreuz und quer durch die Weltgeschichte gekarrt , geschifft und geflogen wird...und zuvor evtl. auch die Rohstoffe für die Verpackungen ebenfalls....


Ich glaube auch, dass sich das gar nicht so pauschal sagen lässt, was denn nun wirklich besser ist. Es ist einfach alles so unübersichtlich geworden.

Meiner Meinung nach wäre schon viel geholfen, wenn jeder einfach sein Möglichstes tut. Das heißt aber auch für mich, dass man Erleichterungen annehmen darf, wenn sie in Relation zu den Kosten stehen. Bei drei kleineren Kindern bin ich einfach auch mal froh, im Winter den Trockner anwerfen zu können für die ein oder andere Wäsche und will mir deswegen nicht wie der letzte Umweltsünder vorkommen. Dafür kann ich an anderer Stelle meine Kompromisse machen und mehr Rücksicht geben. Ich denke, die Dinge müssen auch immer praktikabel sein, sonst halten sie sich nicht auf Dauer bei den Menschen. Vor allem bringt es nichts, wenn Einzelne sich mit Gewalt quälen und andere dafür die Sau rauslassen...

Ach ja, ich bin da auch immer etwas unentschieden und seit ich mal wieder bei den Glascontainern war auch wieder etwas mehr gefrustet. Es ist unglaublich, wie sich manche Menschen verhalten. Da wird Sperrmüll, Unrat und alles einfach hingeworfen, obwohl man es hier so einfach ordentlich entsorgen könnte und das auch noch fast umsonst... Wie will man mit solchen Menschen irgendetwas erreichen? Wo soll das hinführen? Wenn nicht einmal vermeintlich Selbstverständliches funktioniert?

akira

Anonym schrieb am 27.02.2019 17:16

in unserer nähe fand gerade eine pre-wedding-party des sohnes eines asiatischen milliardärs statt. die stadt, die das mit sich machen lässt, rühmt sich, energiestadt zu sein. es ist unfassbar...

und doch will ich diesen weg des weniger weitergehen, meinen kindern vorbild sein, ein wenig immerhin. wenn viele mensche kleines tun, bewirkt es schon etwas, daran glaube ich fest.

auch wenn mich unser persönliches schicksal gerade demut lehrt, ich dankbar bin für einzeln verpackte, sterile spritzköpfe, gentechnisch bearbeitete medizin, mobilfunktechnik...

ach.

ano.s

https://www.suedostschweiz.ch/ereignisse/2019-02-26/impressionen-von-der-indischen-megasause

Mornica (Profil) schrieb am 27.02.2019 18:06

Ich unterschreibe mal faul bei Akira.

Ich versuche "natürlich" auch, umweltschonender zu leben als andere. Aber gerade bei Lebensmitteln ist das sooo schwierig. In der 1990ern waren ja mal Ökobilanzen in Mode. Ein damalige Kollege hatte bei UBA (Umweltbundesamt) zuvor an einer solchen Ökobilanz für Mineralwasser (MW-Gals / Einweg-Plastik) und Tüten (Papier / Plastik) mitgearbeitet. Man glaubt gar nicht, was man streng genommen da alles berücksichtigen muss.
Zum Beispiel hat Papier eine schlechtere Ökobilanz als Plastik, durch das geringere Gewicht einer Plastiktüte verstärkt sich dies auf den Faktor 5. Aber: wenn man berücksichtigt, dass Erdöl als Rohstoff endlich ist, man Altpapier für Papiertüten einsetzen kann (wenn, welche De-Inking-Verfahren?) und Plastik eben nicht 100%ig abbaubar ist, ist das Ganze nicht mehr so eindeutig.
So ist es auch bei MW-Glasflaschen. Deckel aus Alu oder Plastik, Etiketten aus Papier oder Plastik, Entfernungen? Usw usf.
Bei Lebensmitteln ganz schlimm ... Man weiß ja als Verbraucher oft nicht, wie diese angebaut und transportiert wurden. Ein Apfel im Frühjahr aus Südafrika kann eine bessere Ökobilanz haben als ein Apfel aus der "Region" (was ist das eigentlich?), der monatelang begast und 50 km mit dem Diesel-LKW transportiert wurde.

Milchprodukte liefern wegen der pupsenden Kühe einen Beitrag zum Klimawandel. Aber wie viel?

Oder kurz: da kann man verrückt werden. Und muss schauen, wie man den besten Weg für sich findet.

Ich versuche gerade, tatsächlich Milchprodukte zu reduzieren. Käse esse ich noch, aber nicht so viel. Mehr Aufstriche aus nicht zu exotischen Produkten, selbst gemachter Farmersalat und zum Müsli Reismilch (würde zu gern mal wissen, wie da so die Ökobilanz aussieht). Fleisch wenig, wenn dann möglichst bio und möglichst Geflügel (wobei ich immer denke, dass konventionelles Fleisch an sich viel zu billig ist). Mein Kind ist aber ein echte Fleischfresserin. Auf Butter zu verzichten, fällt uns beiden schwer, aber die gibt's nur noch am WE zu den Sonntagsbrötchen.

Ich fahre meistens mit dem Auto zur Arbeit, weil ich nicht weiß, wie ich das sonst zeitlich auf die Reihe bekommen soll (Alternative ist nur Rad, 11 km eine Strecke). In der Freizeit dafür fast nur Rad oder Bahn.

Letzter Flug war 2006, möchte dieses Jahr aber mal wieder weiter weg - also doch fliegen?

Wenn es möglich WÄRE, jedem Produkt, den ökologischen Schaden, den es anrichtet, auf den Preis zu schlagen, und sei es nur anteilig, sähe es wohl ganz und gar anders aus. Aber dafür fehlen komplett die Voraussetzungen auf dem globalen Markt.

Grüße von einer ebenfalls verwirrten Bettina

Kleeblatt29 (Profil) schrieb am 27.02.2019 20:03

Hallo ihr Lieben, hier auch Verwirrung und Wut über die Situation und auch das Gefühl machtlos zu sein.
Ich hab ganz oft das Gefühl durchzudrehen wenn ich über all das nachdenke und irgendwie nicht weiter komme.

Der Vater einer Freundin meinte letztens das wir alle unseren Teil leisten müssen und jede Generation vor Aufgaben stand die irgendwie gelöst bzw durchgestanden werden mussten.

Wir verzichten so gut es geht auf Plastik, kaufen regional ( wobei das Thema Apfel aus Sachsen aber jetzt im Winter gelagert und gegast, auch nicht umweltbewusst ist)... Milch trinkt bei uns nur mein Mann und das auch sehr wenig, Eier vom Bauern aus der nähe, zum waschen nutze ich das ecoegg, Kleidung kaufen wir oft second Hand, Müll wird getrennt ABER Fleisch ist hier auch großes Thema. Mein Mann ist ein riesen Fleischfresser und dagegen komm ich nicht an.

Also im kleinen Teil leisten ist machbar aber was leider auch eine große Rolle spielt ist das Geld. Oft sind doch die Sachen viel billiger die man nicht nehmen sollte... Das merken wir immer deutlicher beim einkaufen, aber man fühlt sich eben auch besser wenn es Bio oder ohne Verpackung ist dafür aber teurer...

Anonym schrieb am 27.02.2019 21:08

So lange immer noch tonnenweise Lebensmittel in der Tonne landen, würde es sicher reichen, den kompletten Einkauf zu reduzieren.
Weniger kaufen, weniger essen, weniger weg schmeißen.

Ich mache mich mit dem Thema nicht mehr verrückt. Mülltrennung ist Verarsche, Kunststoffrecycling ist Verarsche und da wir Deutschen mit an der weltweiten Müllspitze stehen, sind wir wohl einfach toll zu verarschen.

Ich bin ja ein Ost-Mädchen und wir haben gelernt, Dinge lange zu benutzen. Das hat mich geprägt. Nicht so viel zu kaufen, bedeutet auch, nicht so viel entsorgen zu müssen. Second hand ist für mich da immer noch der Schlüssel.

LG Doro

solskinn (Profil) schrieb am 27.02.2019 22:54

Irgendwie beruhigend, dass es anderen auch so geht.

Ein rein veganes Leben ist für mich nicht vorstellbar. Aber mal darüber nachzudenken, was wie anders geht, das ist ja durchaus sinnvoll. Ich denke mir halt auch, ich bin ja Vorbild für meine Kinder. Wenn ich mir den Bauch mit Fleisch vollschlage genauso wie wenn ich darauf verzichte (oder es reduziere). Wenn ich darüber nachdenke, verlangen sie aber auch recht wenig Fleisch. Ob an der Tomatensoße Würstchen sind oder nicht, ist ihnen egal (Hauptsache es ist kein sichtbares Gemüse dran, hahaha.). Da lebe ich wohl tatsächlich eher meine Gelüste aus.

Aber dass Mülltrennung Unsinn ist, ist eine Mär. Ich werfe Biomüll auf den Kompost. Der würde sonst verbrannt werden. Da lohnt sich die Trennung schon. Seit zwei Jahren gibt es bei uns Biomüllbeutel, die aber kaum angenommen werden. Weil die Restmülltonne nach Personen im Haushalt zu bezahlen ist und nicht nach Müllaufkommen, bezahle ich doppelt so viel wie meine Nachbarn (kinderloses Ehepaar) und habe viel weniger Restmüll. Klar, dass die Leute keinen (finanziellen) Anreiz zur Mülltrnenung haben. Dass Plastik und der ganze Rest zusammen verbrannt werden, ist ein Gerücht. Natürlich wird Plastik zu einem gewissen Teil auch verbrannt, aber bei weitem nicht alles und vor allem nicht zum gleichen Zwecke wie Restmüll. Es wäre schon wünschenswert, dass die Recyclingsquote höher wäre, aber zu sagen, das ist Verarsche, ist schlichtweg falsch. Oder man ist zu bequem, sich damit ernsthaft zu beschäftigen.

Überhaupt denke ich, sind wir in vielen Dingen auch einfach (denk)faul. Ich sprach mit meinen Schülern neulich über diese fridaysforfuture. Sie waren Feuer und flamme und wollten auch hin. Klar, habe ich gesagt, ich finde es super, wenn junge Leute sich engagieren. Für das Klima und den kohleausstieg und mit der Forderung, dass „die Politik“ endlich was tut. Habe gefragt, wer sich vorstellen könne hinzugehen, da haben sich Dreiviertel gemeldet. Und dann habe ich gefragt, wer heute morgen von den Eltern mit dem Auto in die Schule gebracht wurde und wer PET-Flaschen benutzt und wer sich mindestens alle zwei Jahre ein neues Handy holt und wer im Sommer mit dem Flieger im Urlaub war usw. Da gingen ganz viele Hände wieder runter.
Es fehlt einfach oft am Bewusstsein, dass man bei sich selbst anfangen muss. „Ich bin dafür, dass wir das Klima retten, aber ich mag dazu nichts beitragen.“ Das wird bei dieser ganzen fridayforfuture-Kampagne meiner Meinung nach völlig vernachlässigt.

So, das bringt uns jetzt nicht weiter, aber ich wollte es mal erzählt haben ;)

akira (Profil) schrieb am 27.02.2019 23:02

Aber mal darüber nachzudenken, was wie anders geht, das ist ja durchaus sinnvoll.

Das finde ich ein sehr schönes Zitat, dass es toll auf den Kopf trifft. Ich will nichts krampfhaft erzwingen, aber wenn man immer mal "über den Tellerrand" schaut und Neues durchdenkt, findet man immer wieder gute Alternativen. Dabei habe ich schon einige nachhaltige Lösungen gefunden, die für mich sogar besser funktionieren als die konventionellen.

ChristineT (Profil) schrieb am 28.02.2019 08:14

Beim Thema fridays for future gehts mir wie Dir, solskinn. Meine Tochter war kürzlich bei einer Demo in unserer Stadt und ich hab ihr gesagt, dass ichs gut finde, wenn die Schüler sich für den Klimaschutz einsetzen - dass ich aber auch gerne wüsste, für wie viele davon ein neues Handy alle zwei Jahre, Shopping jeden Monat und jährliches in den Urlaub fliegen selbstverständlich sind. Es ist sicher richtig, die Politik zum Handeln aufzufordern, das ist für mich aber nur glaubwürdig, wenn man auch bei sich selbst anfängt. Meine Große (knapp 14) ist voll für den Klimaschutz, muss aber halt doch schlucken, wenn die Freundin nach Ägypten zum Tauchen fliegt und wir nur in Österreich Urlaub machen. Das kann ich schon verstehen, ich kann ihr dazu aber nur sagen, dass ichs nicht begreifen kann, wie Eltern so einen Lebensstil pflegen können, wenn sie wollen, dass ihre Kinder später auch noch ein gutes Leben haben.

Zum Thema Müll/Mülltrennung: mich hat es sehr entsetzt, als ich letztes Jahr mal gehört hab, dass viele Tonnen unseres Plastikmülls nach China verschifft werden. Die wollen unseren Mist jetzt nicht mehr haben - jetzt wird er wohl großteils nach Indien exportiert. Was dort damit passiert, will ich gar nicht wissen... Lange Zeit war ich der Meinung, dass wir am Plastikmüll in den Meeren nicht beteiligt sind, aber da bin ich mir seither nicht mehr so sicher... Auch deshalb steht denke ich die Müllvermeidung über allem, denn wenn unser Müll in Asien verbrannt oder ins Meer gekippt wird, kann er noch so gut getrennt sein, das ist einfach Mist und ich finde es unmöglich, sich da so aus der Verantwortung zu ziehen und den eigenen Dreck anderen zu überlassen.

Inge (Profil) schrieb am 28.02.2019 09:40

Das Problem mit der Mülltrennung ist: Es ist von vornherein sehr schwierig müllarm einzukaufen, weil alles schon 5x verpackt ist und auch an den Theken häufig selbst mitgebrachte Behältnisse abgelehnt werden.

Wenn man den Müll dann sorgfältig trennt, kann es trotzdem vorkommen dass er einfach verbrannt wird um die Müllverbrennungsanlagen ausreichend auszulasten, ist z. B. mit Altpapier auch oft so, die brauchen das Papier als Brennstoff.

Und: auch wenn der Müll grundsätzlich mal nicht verbrannt werden soll, muss in der Recyclingfirma anständig nachsortiert werden. Das ist viel Aufwand und kostet viel Geld, also wird von dem vorsortierten Verpackungsmüll ein Großteil eben nicht wiederverwertet.

LG Inge

Anonym schrieb am 28.02.2019 10:18



Aber dass Mülltrennung Unsinn ist, ist eine Mär. Ich werfe Biomüll auf den Kompost. Der würde sonst verbrannt werden. Da lohnt sich die Trennung schon. Seit zwei Jahren gibt es bei uns Biomüllbeutel, die aber kaum angenommen werden. Weil die Restmülltonne nach Personen im Haushalt zu bezahlen ist und nicht nach Müllaufkommen, bezahle ich doppelt so viel wie meine Nachbarn (kinderloses Ehepaar) und habe viel weniger Restmüll. Klar, dass die Leute keinen (finanziellen) Anreiz zur Mülltrnenung haben. Dass Plastik und der ganze Rest zusammen verbrannt werden, ist ein Gerücht. Natürlich wird Plastik zu einem gewissen Teil auch verbrannt, aber bei weitem nicht alles und vor allem nicht zum gleichen Zwecke wie Restmüll. Es wäre schon wünschenswert, dass die Recyclingsquote höher wäre, aber zu sagen, das ist Verarsche, ist schlichtweg falsch. Oder man ist zu bequem, sich damit ernsthaft zu beschäftigen.


Ich bin der Meinung, dass es Verarsche ist, gerade WEIL ich mich damit beschäftigt habe Solskinn.
Vorher habe ich viele Jahre treudoof geglaubt, was andere erzählt haben. Insofern Danke Inge.
Natürlich trenne ich weiterhin meinen Müll, bin ja so konditioniert. Aber stolz bin ich nicht darauf, ich unterwerfe mich nur dem System. Wir Deutschen schauen ja gerne auf die anderen Länder, vor allem im Süden und Osten herab, weil die nicht so tolle technisierte Sysdteme haben wie wir.
Allerdings sollten wir uns der Wahrheit stellen, dass nur ein kleiner Teil des Plastikmülls wiederverwertet wird (unter enormen Kosten wohlgemerkt). Weil die Kunststoffverbindungen so schwer zu trennen sind, dass es sich gar nicht lohnt. Und niemand braucht stolz darauf zu sein, dass er nen recycelten Fleecepulli trägt, weil er bei jeder Wäsche Mikroplastik in die Meere spült.
Und besonders unlogisch: der Plastikmüll in Deutschland steigt in den letzten zehn Jahren kontinuierlich an. Also in genau dem Zeitraum, wo sich der Mensch besonders mit den Gefahren des Plastikmülls auseinandersetzt! Man könnte fast denken, je intensiver der Deutsche sich mit dem Thema Müll beschäftigt, desto mehr produziert er ;o)

Natürlich trage ich meinen Bomüll auf meinen Kompost. Mir ist aber auch klar, dass extra Pflanzen angebaut werden, um daraus Kraftstoff oder Energie zu gewinnen.

Meine Meinung: einfach weniger drüber nachdenken und verzweifeln, nicht alles glauben, was uns die Müllindustrie über's Recycling erzählt und stattdessen einfach weniger konsumieren. So! :o)

LG Doro

Anonym schrieb am 28.02.2019 10:20

Und wir sollten immer auf'm Schirm haben, dass Müll eine unglaublich große Industrie ist, mit der sich unglaublich viel Geld verdienen lässt!

LG Doro

Anonym schrieb am 28.02.2019 12:30

Das Problem mit der Mülltrennung ist: Es ist von vornherein sehr schwierig müllarm einzukaufen, weil alles schon 5x verpackt ist und auch an den Theken häufig selbst mitgebrachte Behältnisse abgelehnt werden.



Das würde ich so nicht sagen. Wir nutzen z.B. für den Bäcker Stoffbeutel - das gab bislang ausschließlich posititive Reaktionen und noch nie Probleme. Ein großer Einkaufsmarkt vor Ort (E***a) hat letztens in einem Werbeprospekt auf einer kompletten Doppelseite darauf hingewiesen, dass man eigene Behälter mit an die Fleisch-/Käsetheke bringen darf und zukünftig Mehrwegbeutel für das Gemüse/Obst zur Verfügung stehen. Ich finde es tut sich in dieser Beziehung aktuell unheimlich viel. Aber das meiste hängt einfach immer noch an uns selbst und unserem Kaufverhalten. Ich kaufe einfach nichts mehr was x-fach verpackt ist und lasse bewusst manche Dinge deswegen im Regal liegen. Bislang mussten wir dadurch noch nicht auf etwas lebensnotwendiges verzichten...

Anonym schrieb am 28.02.2019 13:11

kommende woche beginnt die fastenzeit.
vielleicht eine gelegenheit, manches auszuprobieren?

mir ist immer der bergbauer im kopf, der sagte: früher hatten wir eine tüte voll müll - im jahr! er ist noch nicht 70. so lange ist es nicht her.

noch eine zahl, die mich beschäftigt, wenn auch hier im forum über autonutzung geschrieben wird: ein drittel der microplastikproduktion entsteht durch den reifenabrieb beim autofahren.

ach.

sünneli

solskinn (Profil) schrieb am 28.02.2019 14:12

Zahlen werden wir alle finden. Damit zu argumentieren erscheint mir nicht immer sinnvoll. Wie du sagst, wir sind ja irgendwie darauf konditioniert, es ist auch wirklich kein Aufwand, und allein wenn nur 20 oder 40% wirklich recycelt wird, ist das in meinen Augen besser, als wenn 0% meines Mülls recycelt wird und 100% verschifft oder verbrannt. Jedes Prozent über 0 ist mir die "Mühe" wert.
(Das mit dem Kompost verstehe ich nicht. Meiner wird ohne zutun von irgendwas zu Humus.)
Umgekehrt sage ich ja auch nicht, ich finde kein Auto, mit dem ich gar keinen Ausstoß von Schadstoffen habe, also ist mir alles egal und ich kauf mir eine riesige Dreckschleuder. Ich tu, was ich leisten kann, praktisch, aber natürlich auch finanziell.
Und deshalb war für mich diese Doku so interessant, weil ich tatsächlich noch nie darüber nachgedacht hatte, wie krass sich die Nutztierhaltung auf das Klima auswirkt. Und ich mir umgekehrt nicht vorstellen kann, dass Veganismus bzw die "Ersatzstoffe" für tierische Produkte keine Kehrseite hat. Aber sicher gibt es viel zwischen unbedarftem Fleischkonsum und Veganismus, wo ich mich - für mich praktikabel - einfinden kann.

Anonym schrieb am 28.02.2019 19:55

Ach ja, mich belastet die Klima Sache auch sehr. Fast noch mehr das Plastikproblem.

Wir leben hier tatsächlich seit gut 2 Jahren vollwertig pflanzenbasiert (ich mag den Begriff "vegan" aus verschiedenen Gründen nicht so sehr für mich).
Wir haben irgendwann eh nur noch ganz wenig Feisch gegessen, und haben dann aus gesundheitlichen Gründen auf gänzlich pflanzlich umgestellt. Die ethische Frage der Milch beschäftigte mich eh schon lange, und so wars dann recht einfach.
Ich war ein totaler MIlch- und Käsejunkie, und mir fehlt inzwischen gar nix mehr. Ehrlich nicht. Man kann so toll vegan kochen, das merkt man gar nicht bei vielen Gerichten, dass da keine Sahne drin ist :-)

Was mich aber maximal stört, ist die Plastiksache. Milch kauften wir früher in der Flasche, nun halt im Tetrapack die Soja- und Hafermilch. Hafermilch selbermachen wurde immer irgendwie schleimig, die Kinder mochtens nicht. Sojamilch selbermachen geht, fehlt mir aber die Zeit.
Joghurt das Gleiche, früher im Glas, jetzt im Tetrapack der Sojajoghurt.
Tofu? Plastik. So gehts grad weiter....
Ich koch viel mit TK Gemüse jetzt im Winter, auch, weils schnell geht. Noch mehr Plastik.
Seufz. Ich weiß echt nicht, wie ichs besser machen kann. So jedenfalls find ichs kacke.

LG
AS

Anonym schrieb am 28.02.2019 21:16

Und wir sollten immer auf'm Schirm haben, dass Müll eine unglaublich große Industrie ist, mit der sich unglaublich viel Geld verdienen lässt!

LG Doro


Das ist - leider - das größte Problem. Und wir finanzieren als Verbraucher mit jeder Verpackung, die wir kaufen, dieses System. Deswegen hat auch niemand (in der Wirtschaft) Interesse daran, dass zu ändern. Ich arbeite ja seit 1993 im Abfallbereich, also seit Anbeginn des grünen Punktes, und wir haben mal ausgerechnet, wie viel man als Verbraucher letztendlich für die Entsorgung der Verpackungen bezahlt. Also pro kg, um das mit den Entsorgungskosten für den Restabfall vergleichen zu können - das ist deutlich mehr bis ein Vielfaches mehr.

Auch die ursprünglich gut gemeinte Verordnung, dass auch auf Einweg-Flaschen Pfand erhoben werden soll, wenn der Mehrweganteil unter einen bestimmten %-Satz fällt, ist ja m.E. voll nach hinten los gegangen. Ist doch ein super Geschäft, und der Verbraucher hat ein gutes Gewissen, weil's ja mit Pfand ist. Der Mehrweg-Anteil geht immer weiter zurück.

Ähnlich ging's bei den Verpackungen. "Wird ja recycelt", denkt der Verbraucher, "also darf's auch ein bisschen mehr sein, weil es aufwendig verpackt schöner aussieht und die Entsorgung umsonst ist." (vermeintlich).

Grundsätzlich hat die gezielte thermische Verwertung von Abfall auch enorme Vorteile gegenüber einer schnöden Hausmüllverbrennung. Letzterer kann nicht lange gelagert werden und muss daher rund um die Uhr und rund ums Jahr verbrannt werden, erzeugte Wärme kann nicht immer sinnvoll genutzt werden. Vorsortierter Abfall wie das Plastikzeugs schon. Dafür müsste man aber nicht diesen Aufwand treiben bzw vor vornherein anders trennen, so dass auch bestimmte Anteile besser stofflich verwertet werden könnten, und anders vorbehandeln. Sinn macht sowieso nur ein echtes Recycling und nicht so ein Downcycling. Selbst Eisenmetalle und Alu aus der DSD-Sammlung sind ja von minderer Qualität.

Bioabfall wird immer problematischer, weil die Leute da so viel Plastik mit rein hauen. Bald wird man das Zeug auch nicht mehr los werden, und es noch zusätzlich verbrennen müssen oder so 'nen Scheiß. Da zeigt sich auch die zunehmende Scheiß-egal-Haltung bei vielen ...

Die Hygienevorschriften sind schön von Bundesland zu Bundesland verschieden, teilweise absurd. Macht es auch nicht einfacher.

Bettina

Anonym schrieb am 01.03.2019 12:46

Zahlen werden wir alle finden. Damit zu argumentieren erscheint mir nicht immer sinnvoll. Wie du sagst, wir sind ja irgendwie darauf konditioniert, es ist auch wirklich kein Aufwand, und allein wenn nur 20 oder 40% wirklich recycelt wird, ist das in meinen Augen besser, als wenn 0% meines Mülls recycelt wird und 100% verschifft oder verbrannt.

Schön, wenn es 20 % wären!! Die Quote liegt im einstelligen Bereich! Bettina weiß es sicher genauer. Danke übrigens für deine Ausführungen Bettina!
Seitdem in D verbreitet wird, dass der Kunststoff recycelt wird, hat sich der Plastikmüll vervielfacht!! Denn wir Deutschen denken "toll, wenn das recycelt wird, kann ich es doch guten Gewissens kaufen." Dadurch stehen wir weltweit an der Spitze.

Ein Dritte-Welt-Land wie Ruanda verbietet seit ein paar Jahren erfolgreich unter Strafe Plastiktüten, während wir noch darüber diskutieren, ob man das dem Handel zumuten darf...
Aber nachdenken und diskutieren können wir ja gut. Gerade wir Ökos ;o) (und da schließe ich mich konsequent mit ein).

Grad vorhin in der Zeitung gelesen, dass 2,5 Mio Hektar(!) in Deutschland für den Maisanbau genutzt werden. Der größte Teil dieses Maises wandert in die Biogasanlage.

Weltweit wird 1,5 mal so viel Energie zum Kühlen, wie zum Heizen verbraucht. Das ist doch irre.

Ich bleibe dabei: was hilft ist nur Einschränkung des Konsums. Und zwar bei jeder einzelnen von uns.

LG Doro

Anonym schrieb am 01.03.2019 13:20

So, endlich mal am Laptop und nicht nur am Handy. Da schreibt es sich besser.
Ich bin ja schon ewig Vegetarier und versuche auch möglichst ökologisch und plastikarm zu leben usw. Habe also grundsätzlich schon auch Verständnis für "radikale" Ansätze. Allerdings sehe ich den gewissen "vegan-hype" aus verschiedenen Gründen auch kritisch.
- Zum einen sind spezielle vegane Produkte oft eben stärker verarbeitet bzw. "unnatürlicher" - z.B. vegane Schuhe.
- Bei der Ernährung ist es auch nicht so einfach, dass man tatsächlich keinen Mangel bekommt, gerade bei Kindern wird ja doch immer gewarnt, dass es nicht ungefährlich ist. Mit Milchprodukten und Eiern muss man immerhin nurnoch etwas auf das Eisen achten und es ist eigentlich insgesamt unproblematisch. Hätte keine Lust, dauerhaft synthetische Nahrungsergänzung zu mir zu nehmen.
- Wie Du schon schriebst, sind viele "superfoods" auch nicht ökologisch. Habe neulich etwas über die Probleme des Avocadoanbaus gelesen, der ja massiv zugenommen hat. Natürlich sind Avocados echt lecker, gibt es bei uns aber extrem selten.

Insgesamt finde ich es natürlich super, wenn alle Vegetarier und Veganer zu hohen Fleischkonsum anderer Menschen quasi ausgleichen und dadurch keine Massenhaltung mehr nötig wäre. Problematisch finde ich allerdings, dass - z.T. ja auch Vegetarier, aber leider noch extremer viele Veganer sehr verbohrt und absolut nicht tolerant gegenüber anderen Menschen sind und sich moralisch auf einer Wolke über dem "bösen Rest" wähnen.
Ich durfte das mal erleben, als ich bei FB in der Barfußschuhgruppe in einer Nebendiskussion, in der es um vegane Schuhe und dann eben Veganismus an sich ging, einen für mich wichtigen Aspekt einbringen wollte und dann überrascht über die heftige Reaktion war.

Der Askpekt war, dass ich nicht gegen Tierhaltung allgemein bin, sondern im Gegenteil eine nicht zu intensive Tierhaltung wichtig für unsere (Kultur-)Landschaft finde. Ohne Nutztiere gäbe es kein Grünland mehr, also Wiesen und Weiden. Entsprechend kaum noch Schmetterlinge, Heuschrecken etc. Es ist ja nicht alles schlecht, was der Mensch macht, es gibt viele Tiere und Pflanzen, die im Umfeld des Menschen erst gute Lebensbedingungen finden. Solange der Mensch nicht übertreibt. Die Veganerin fand mich dann arrogant und was-weiß-ich. Sie meinte, der Mensch habe nicht das Recht, sich über die Tiere zu stellen und sie zu "nutzen" oder über deren Leben und Tod zu entscheiden. Das halte ich für zu einfach gedacht. Denn es ist ja tatsächlich so, dass der Mensch nunmal in der Welt so dominant ist, dass er alles kontrolliert und beeinflusst, sei es direkt oder indirekt. Wenn man das ändern wollte, müsste man die halbe Menschheit umbringen oder so. Ich sehe es eher so, dass der Mensch mit der Machtposition, die er nunmal hat, möglichst verantwortungsvoll umgehen soll. Und das heißt, dass so viele andere Lebewesen wie möglich auch auf diesem Planeten Heimat haben sollten. Und dazu gehören aus meiner Sicht eben durchaus auch artenreiche Wiesen.

Die meisten Veganer leben ja in der Stadt. Das ist kein Zufall. Es ist auch kein Zufall, dass die Grünen in den Städten die meisten Wähler haben. Natürlich ist es gut, wenn man dort vermutlich deutlicher merkt, dass die Natur etwas Wertvolles und Wichtiges ist, weil sie einem vielleicht auch etwas fehlt. Und natürlich ist es auf dem Land nicht idyllisch und die industrielle Landwirtschaft (neben dem Flächenverbrauch und dem Klimawandel) einer der Hauptgründe für Artensterben etc.
Ich bin auch in einer Großstadt aufgewachsen, habe mich dort gegen das Fleisch essen und für Naturschutz entschieden und lebe jetzt als Exotin auf dem Land. Ich kenne hier keine Veganer, Vegatarier sind auch schon selten. Aber viele kaufen ihr Fleisch beim Metzger und wissen, woher es kommt. Natürlich trotzdem konventionell. Leider gibt es noch zu wenige Biobauern, das müsste definitiv politisch mehr gefördert werden, damit mehr Landwirte umstellen. Zur ökologischen Landwirtschaft gehört übrigens sinnvollerweise auch eine gewisse (natürlich artgerechte) Tierhaltung, um einen guten geschlossenen Nährstoffkreislauf zu haben.

Also es gibt immer so viele Aspekte, unter denen man etwas betrachten kann, das ist natürlich schwierig. Es ist auch nicht immer und überall das Beste, einen Baum zu pflanzen. Jeder wählt so seinen Schwerpunkt, wichtig ist für mich, dass überhaupt ein Bewusstsein entsteht, dass etwas verändert werden sollte und jeder nach seinen Möglichkeiten dazu beiträgt. Zum Beispiel treffe ich selbst hier immer öfter Menschen, die sich Gedanken über den Plastikkonsum machen oder Imker sind und versuchen, etwas mehr Blüten in der Umgebung zu haben etc. Jeder Schritt, der in die Richtung geht ist doch eine Chance, dass es weiter geht.
Es macht dann aber keinen Sinn, dass eine Krähe der anderen ein Auge aushackt. Oder gleich die moralische Keule alles erschlägt, was nicht 100%ig ist.

Ich hoffe, es gibt gaaaanz viele Veganer, die offener und toleranter sind als diejenigen, die in der "Barfußschuhszene" unterwegs sind... ;-)

Clarita

Anonym schrieb am 01.03.2019 14:23

Also wir sind ja "Hobbyökobauern" und haben unsere Tiere auf Landschafts- und Naturschutzflächen zu weiden und füttern nur aus eigenem Anbau , aber es wird einem alles andere als leicht gemacht. Hätten wir ein oeko-label müssten wir die Tiere in einen besonderen zertifizierten Schlachthof fahren , der viel weiter weg liegt. Ein Grund es nicht zu tun.
Wir haben alles bio , aber vermarkten es nur konventionell regional. Zum Leben reicht das leider nicht, so ist es unser Hobby.
Die Tiere pflegen hier die Landschaft , das müsste sonst von maschinell geschehen.

sandoro (Profil) schrieb am 01.03.2019 14:57

Ich sehe es auch so, wie die Ano „Hobbyökobäuerin“ vor mir. Ich wohne auch eher ländlich. Auf der Suche nach Öko-Fleisch hab ich mich mal intensiv mit unserer Metzgerin unterhalten. Sie meinte, sie kennt und besucht die Höfe, die ihr das Fleisch liefern. Alle kommen aus der Region und haben nur kein Öko-Label, weil der Aufwand dafür zu groß und teuer wäre. Das lohnt nicht. Also geben Sie Ihr ökologisch bestes, verkaufen aber als konventionell. Damit kann ich gut leben!

Auf Fleisch möchte ich nicht verzichten, dafür versuche ich anders tätig zu werden...

Liebe Grüße,
Sandra

Anonym schrieb am 01.03.2019 19:31

Schön, wenn es 20 % wären!! Die Quote liegt im einstelligen Bereich! Bettina weiß es sicher genauer. Danke übrigens für deine Ausführungen Bettina!
[...]
LG Doro


Bitte, gern. Allerdings: Genaue Zahlen in dem Sinne habe ich nicht. Obwohl ich sozusagen an der Quelle sitze, was die Hausmüllmengen in meinem Bundesland angeht (deswegen hier weiter halbano), denn
A) man hat irgendwann den Streit aufgegeben, unter welchen Bedingungen Verbrennung eine Verwertung ist, und jeder stuft es so ein, wie er/sie meint; gleiches gilt für die MBA (mechanisch-biologische Abfallbehandlung) - aus einigen MBA geht der Output dann in eine Brennstofaufbereitung und von dort in die "thermische Verwertung".
B) es geht mancher Abfall durch so viele Anlagen, in den verschiedensten Sortierzuständen und Teilströmen, dass es mit normalem Aufwand kaum nachzuvollziehen ist, es sei denn, man wäre befugt, die Daten zu bekommen.
So kann man das dann so oder so interpretieren. Zumal man das pragmatisch so macht, dass die ganze Anlage als Verwertungsanlage gilt, wenn der Großteil des Outputs einer Verwertung zugeführt wird (was wiederum eine Verwertungsanlage dieser Art sein kann).

Dann ist es ja noch so, dass die aussortierten Fraktionen auf unterschiedlichsten Wegen vermarktet werden. Manche haben tatsächlich einen positiven Marktwert (zB Metalle), bei Kunststoffen hängt es sehr vom Markt und der Sortierqualität ab. Wo das Zeug dann letztendlich hingeht, was damit gemacht wird: ganz unterschiedlich. Weiteres Sortieren, Downcycling oder Einsatz in der Neuproduktion (und jedes Mal fällt ein Teil der Masse ab).
Da ist es dann auch Glaubensfrage, was man noch unter stofflicher Verwertung versteht und was nicht. Es gibt einfach zu viele verschiedene Kunststoffe in zu verschiedenen Zusammensetzungen und Erscheinungsformen.

Ein seeeehr weites Feld.

Ich habe mal für meine Arbeit versucht heraus zu bekommen, a) wie viel Textilien/Kleidung pro Jahr tatsächlich in Deutschland verkauft werden
b) wie viel Alttextilien in D pro Jahr anfallen
c) was davon wo hin geht (europäischer Second-Hand-Markt, Nicht-E-Ausland, Lumpenherstellung)
Ich bin kläglich schon bei a) gescheitert. Jeder Bericht verweist auf einen anderen, man nimmt lustig Zahlen an oder es gibt gar keine Zahlen.

So weit. Schnauf.
Bettina

Anonym schrieb am 01.03.2019 20:29

...wißt Ihr, was ich mega nervt.....
Als pflanzenbasierter Esser kannste für teuer Geld B12 und Jod supplementieren. Es fragt sich aber keiner, warum diese Stoffe in Milchprodukten oder Fleisch enthalten sind- nämlich weil das Zeugs kiloweise dem Mastfutter zugesetzt wird.

Hm, zum Thema vegan und Kinder gibts ein geniales Nachschlagewerk von Ni*ko Ritt*enau: Veg*an Klischee ade.
Da findet man (alles auf Studien und Publikationen basiert) zu jedem kritischen Nährstoff eine Mengentabelle für unterschiedliche Lebensphasen, dazu pflanzliche Quellen, wo der entsprechende Stoff drin ist und in welchen Mengen, und wieviel ggf. supplementiert werden sollte.

Die sog. Superfoods kauf ich aus Prinzip nicht. Avocado wurden schon genannt, geht aus ökologischer Sicht gar nicht.

Aber das war gar nicht das Thema eigentlich, stimmts :-)

LG
Ano_AS

Inge (Profil) schrieb am 01.03.2019 21:38

"Als pflanzenbasierter Esser kannste für teuer Geld B12 und Jod supplementieren. Es fragt sich aber keiner, warum diese Stoffe in Milchprodukten oder Fleisch enthalten sind- nämlich weil das Zeugs kiloweise dem Mastfutter zugesetzt wird. "

Ganz so stimmt das nicht. Vit. B12 nehmen Allesfresser und Fleischfresser mit dem Futter auf. In Schweinefutter ist entweder Vit. B12 oder Fischmehl enthalten. Und das auch nicht "kliloweise" sondern 10 µg/kg Futter.

Bei Pflanzenfressern bilden die Mikroorganismen im Darm ausreichend Vit. B12. Ihnen muss im Futter höchstens Cobalt (zur Synthese notwendig) im Futter zugesetzt werden, wenn die Bildung sonst nicht ausreicht.

Was Jod anlangt: Fleisch enthält fast kein Jod. Lebensmittel mit hohem Jodgehalt sind Seefisch, Meeresfrüchten, Meersalz und in Spirulina-Algen drin. Mit Fleisch, Milch etc. kannst du deinen Jodbedarf nicht decken.

LG Inge

Anonym schrieb am 02.03.2019 13:22


Was Jod anlangt: Fleisch enthält fast kein Jod. Lebensmittel mit hohem Jodgehalt sind Seefisch, Meeresfrüchten, Meersalz und in Spirulina-Algen drin. Mit Fleisch, Milch etc. kannst du deinen Jodbedarf nicht decken.

LG Inge


Hmmm, da gehen die Meinungen glaube auseinander. Laut meinem schulmedizinischen Schilddrüsenarzt enthält Fleisch und Milch aus Massentierhaltung ordentlich Jod.
Ganz abgesehen davon, wird in der Industrie überall Jodsalz verwendet.

LG Doro

Inge (Profil) schrieb am 02.03.2019 13:41

4-8 µg Jod in 100 g Fleisch im Verkleich zu 280 µg Jod in 100 g Kabeljau würde ich jetzt nicht wirklich als viel bezeichnen.

LG Inge

Inge (Profil) schrieb am 02.03.2019 15:08

Natürlich ist in Milch mehr Jod drin. Die Milch ist von Mutter Natur ja für das Kälbchen gedacht und demzufolge so zusammen gesetzt, dass das Kälbchen mit allen Vitaminen und Spurenelementen gut versorgt ist.

Dass die Landwirte darauf achten, dass ihr Vieh keinen Nährstoffmangel leidet, finde ich eher positiv.

Und natürlich tragen Milchprodukte zur Jodaufnahme mit bei. Du bräuchtest aber täglich Milchprodukte aus ca. 2 l Milch um deinen Jodbedarf ohne Jodsalz und ohne Seefisch zu decken. Aber um Milch zu geben muss die Kuh erst ein Kälbchen bekommen. Und was passiert mit dem Kälbchen?

Klar, möglich ist das, möglich ist Vieles. Wenn man sich die unterschiedlichen Ernährungsformen von fast ausschließlich Fleisch und Fisch bei den Inuit zu fast ausschließlicher pflanzlicher Kost ansieht, ist der Körper enorm tolerant.

LG Inge

Anonym schrieb am 09.03.2019 15:42

Ein Jahr ohne Zeug

Heute im Radio gehört und für spannend empfunden. Es entspricht im Prinzip genau dem, was ich weiter oben meine.
Ob man das wohl schafft...?

http://konsumpf.de/?p=15242

Anonym schrieb am 09.03.2019 15:42

LG Doro