"Corona Teil 2 und Klopapier"

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Dörte (Profil) schrieb am 30.03.2020 12:59

Corona Teil 2 und Klopapier

Hallo,

wie wärs, wenn wir zum Thema "Corona" hier weiterschreiben, dann muss man nicht immer so weit runterscrollen?
Ich bin ganz verwirrt von den ganzen Zahlen und möchte nur ungefähr wiedergeben, was mir eine Freundin gestern erzählt hat: Laut irgendeiner Studie geben ca. 1/3 der Deutschen an, dass sie momentan mehr Glückshormone haben, weil weniger Stress (keine Ahnung, wie das gemessen wurde...).
Und zum Thema Klopapier: DAS verursacht bei uns Stoffwindelmamas auf jeden Fall keinen Stress, oder? Also ich wüsste, wie ich mir behelfen könnte - wir haben ja eine Waschmaschine :-)

Liebe Grüße von Dörte,
die definitiv zu dem Drittel gehört


Antworten

Rita (Profil) schrieb am 30.03.2020 16:07

ja, stimmt, ich könnte endlich mal aus den Mengen an gesammelten alten KInderschlafanzügen und ähnlichen Stoffen, Stoffresten wiederverwendbares Klopaier nähen....

(also nur für das "kleine Geschäft" - man muss ja nicht übertreiben...)

war ja auch mal Thema hier

aber: so viel mehr Zeit hab ich gar nicht, bei vier zu beschulenden Kindern (die natürlich das meiste selbständig machen, aber ein bisschen hängen die Eltern überall mit dran und sei´s nur das Managen der Laptop-Verfügung, wer wann wie lange....)

es ist tatsächlich weniger Stress, stimmt.
Hier auf dem Dorf ist die Lage abstrakt: es ist alles wie immer, niemand ist coronakrank, jedenfalls nicht amtl. bestätigt.

Großes Haus und viel Platz außenrum mit mehreren zusätzlichen Gebäuden und viel Arbeit und Möglichkeitenzum Austoben überall. Es kann keinem langweilig werden.
(den Eltern eh nicht!)

Die Großmutter nebenan gibt Unterricht in Botanik, Ahnen- und Familienkunde und Musik ;-)
sie wollte immer schon mal ihre Lehrerfähigkeiten anbringen....
Die Enkel machen meist brav mit (1 Std. pro Tag - mehr nicht!).

Die Mädchen (13 u 14J.) nehmen die Schule ernst und lernen freiwillig,
die Jungs (16 u. 10J.).... nicht so.....
der Große sagt, er macht alles alleine
der Kleine arbeitet nach Anleitung und Plan und wenn man sich mit ihm beschäftigt, Grundschüler halt.

Bei uns hat keiner einen persönlichen Nachteil , wir haben eine schöne Familienzeit - da hab ich schon manchmal fast ein schlechtes Gewissen.

Leid tun mir -neben denjenigen, die tatsächlich krank werden- vor allem alle Betriebe, Gastronomie, die kleinen Gärtnereien, die vielen Menschen, die unter diesen Einschnitten leiden, massiv wirtschaftlich leiden.
Da ist nichts abstrakt, die haben ihre Zahlen direkt vor Augen und die Auswirkungen für sie sind schlimm.

Die Gärtnereien müssen doch JETZT ihre Pflanzen loswerden - die gehen ja alle kaputt und es ist jetzt die Zeit dafür !!
(ok - hier ist wieder alles weiß nach vielen Tagen Wärme und Sonne, aber in Kürze kommt der Frühling ja wieder)

Nagut - nichts Neues...

Und ich finde auch, dass alle Stimmen gehört werden müssen (wie in Thread 1 anklang), auch die, die sich abseits des Nachrichten-mainstreams äußern.

Der alte Thread ist übrigens ein tolles Beispiel für die Entwicklung von Ansichten, Entwicklung der Stimmungslage zu einem Thema!

Gutes Durchhalten euch allen,
bleibt gesund und fit in jeder Hinsicht!

LG, Rita

(und die Sommerzeit nervvvvvttttt!! gehört abgeschafft)

ConnyH (Profil) schrieb am 30.03.2020 16:58

Ich unterschreib bei vielem (besonders beim letzten Satz!!) bei Rita.
Ich empfinde meine Familiensituation auch als wesentlich entspannter...die Kids sind wesentlich ruhiger (bei 3en zickt man sich immer mal an, aber im Vergleich zum Schulalltag ist das echt wenig).
Meine Theorie: das stressige Umfeld in Form von übervollen Klassenräumen mit einer Mörderakustik, nervige Schulkameraden sowie das enge Zeitkorsett fehlen. Und trotz der fehlenden Schulstruktur machen alle sehr motiviert und selbständig ihre Schuldinge! Wäre ein Argument für's Freilernen ;o)

Alles in allem fühlen wir uns entschleunigt. Zwar durch die fehlenden Freizeitangebote und keinen Freundeskontakt im realen Leben eingeschränkt, aber trotzdem entspannt.
Den Himmel ohne Kondensstreifen genieße ich auch sehr :D

LG und danke an alle, die den Laden am Laufen halten!
ConnyH

P.S.: und hier noch ein hübscher Link zum Zeichnen zum Thema Klopapier und Hamstern...

https://www.youtube.com/watch?v=51tdql4TyKo

Anonym schrieb am 30.03.2020 19:53

Also zu dem 1/3 gehöre ich schonmal nicht. Ich kann nicht von weniger Stress sprechen. Wir haben hier drei Kinder unter 6 in der 3-Zimmer-Wohnung und ich muss nebenbei Homeoffice machen. Zum Glück nur jeden zweiten Tag dank einer großzügigen Regelung des Arbeitgebers, aber ich schaffe meine Stunden eigentlich nie und arbeite dann doch an den freien Tagen nach.

Zum Glück können wir Nachmittags in den Kleingarten in der Nähe. Jeden Tag längere Zeit im Park spazierenstehen würde ich dank Schwangerschaft nicht schaffen.

Die berufliche Situation ist für uns zwar nicht so gravierend, wie für viele grade, aber ich fürchte, der Arbeitsmarkt wird noch lange leiden und das trifft dann auch uns.

Und über die Geburt mache ich mir auch Gedanken. Wenn der Höhepunkt der Infektionswelle tatsächlich im Juni bis August kommt, wie derzeit gesagt wird, dann frage ich mich, wie es auf der Geburtsstation aussieht.

Auch die im Juni anstehende Zahn-OP fürs Kind kann nur stattfinden, wenn die Anästhesistin samt Narkosegerät nicht "eingezogen" wird.

Wenn man keine finanziellen Sorgen hat und keinen Stress mit den Kindern, dann kann ich mir schon vorstellen, dass das entspannt. Aber spätestens wenn man den Blick über den Tellerrand hebt und die vielen sieht, die jetzt wirtschaftlich komplett in die Knie gehen. Wenn man an die Kinder in Familien denkt, die auf engstem Raum total überfordert sind. Von Flüchtlingslagern etc. will ich gar nicht reden... Spätestens dann ist es doch mit einem größeren Glücksgefühl dank der aktuellen Situation vorbei - oder nicht?

LG Ano C

PS: Um Klopapier mache ich mir tatsächlich gar keine Gedanken, solange ich fließendes Wasser habe ;-D .

ConnyH (Profil) schrieb am 30.03.2020 20:07


Wenn man keine finanziellen Sorgen hat und keinen Stress mit den Kindern, dann kann ich mir schon vorstellen, dass das entspannt. Aber spätestens wenn man den Blick über den Tellerrand hebt und die vielen sieht, die jetzt wirtschaftlich komplett in die Knie gehen. Wenn man an die Kinder in Familien denkt, die auf engstem Raum total überfordert sind. Von Flüchtlingslagern etc. will ich gar nicht reden... Spätestens dann ist es doch mit einem größeren Glücksgefühl dank der aktuellen Situation vorbei - oder nicht?


Dadurch dass es hier zu Hause besser klappt, mache ich mir doch nicht weniger Gedanken um den Rest der Welt. Aber deren Situation kann ich persönlich nicht ändern. Ich bin weder Ärztin, noch Kassiererin.
Auch die allgemeine wirtschaftliche Lage kann ich nicht ändern, zumindest nur bedingt und in meiner Reichweite (lokale, kleine Händler unterstützen usw).
Dass dein Stresspegel mit 3 Kids unter 6 in 3 Zimmern höher ist, noch dazu schwanger, dazu gehört nicht viel Phantasie. Aber auch das kann ich nicht ändern. Nur daran denken und so Anteil nehmen. Aber ob dir das konkret hilft...? Vielleicht!

Trotzdem wünsche ich dir weiterhin gute Nerven! Und auch einen entspannten Blick über den Tellerrand, ins Grüne.
Ein schlechtes Gewissen muss ich wegen meines unerschütterlichen Optimismusses trotzdem nicht haben.

LG ConnyH

Anonym schrieb am 30.03.2020 20:19

Laut irgendeiner Studie geben ca. 1/3 der Deutschen an, dass sie momentan mehr Glückshormone haben, weil weniger Stress (keine Ahnung, wie das gemessen wurde...).




Vielleicht durch Hochrechnungen? höhöhö :o)

LG Doro

Anonym schrieb am 30.03.2020 20:45

Meine eigene Situation ist zwar auch nicht immer toll, drei Kinder die beschäftigt werden wollen und homescooling, das nur bei einem der dreien sehr selbständig klappt. Ins Bett wollen sie auch nicht, sind ja Corona - FERIEN - ohman. Dazu Teil-homeoffice, ein Arbeitsvertrag, der in zwei Wochen ausläuft und die Firma kämpft darum, irgendwie weitermachen zu können... und wenn ich den Job nicht hätte, wäre ich wirklich traurig. Aber bei mir hängt keine Existenz an meiner Arbeit. Diesbezüglich habe ich keine Ängste und ich weiß, auch die Streitereien hier gehen vorbei. Dem kann ich ganz gut mit Gelassenheit, Vertrauen und Galgenhumor begegnen.

Wenn ich aber mit einem befreundeten Steuerberater telefoniere, der so erzählt, was gerade abgeht, puh. Wenn ein Familienangehöriger Suizidgefährdete am Telefon hat... Wenn eine Freundin, deren Mann eine Jugendherberge betreibt, mit neu gebautem Haus nicht weiß, wie es weitergehen soll... Wenn ein Freund, der viele Mitarbeiter beschäftigt, schauen muß, wie er diese Krise nun wieder stemmen soll... wenn alte Menschen, die allein sind und sich nicht aus dem Haus trauen... wenn wirklich alles, was hier mit Tourismus zu tun hat, kämpft, da der Winter (Winter?) ja nun auch nicht gerade das große Geschäft gebracht hat und so die ersten Insolvenzen angekündigt werden... das zieht mich runter.

Aber es ist ja nicht permanent so: Man geht raus in den Sonnenschein und freut sich, daß alles so ruhig ist. Die Vögel zwitschern, die ersten Bienen kommen, der Himmel ist frei von Kondensstreifen... Man verbringt auch gute Zeit miteinander beim Spielen, Kochen, Malen, Basteln, Pferdchenspielen, Spazierengehen usw. Man darf sich nicht von den Sorgen übermannen lassen.

Trotzdem, Glücksgefühle hab ich jetzt auch nicht!

Dörte (Profil) schrieb am 30.03.2020 22:36

Ich weiss, dass wir es sehr gut getroffen haben in der momentanen Situation, aber ich weiss auch, wie es sich anfühlt, ganz unten zu sein.

Ja, es gibt momentan sehr viel Leid auf dieser Welt, und es gibt Menschen, die gerade keine Auszeit haben, sondern Unglaubliches leisten. Mir ist das bewusst, ich fühle mit Ihnen, aber ich leide nicht mit ihnen.

Das Beste und fast auch Einzige, was ich jetzt tun kann, ist, bei mir zu sein, innerlich aufzutanken und dann Zuversicht und Ruhe auszustrahlen.

Wir stehen am Anfang eines riesigen Wandels, der wahrscheinlich unser ganzes Leben auf den Kopf stellt. Davor habe ich keine Angst, denn so wie es war, ging es nicht mehr weiter. Ich bin neugierig auf das, was kommt, und versuche ein kleines bisschen mitzugestalten. Es wird hart, sehr hart. Aber allemal besser als die Vorstellung, dass meine und Eure Kinder in einer total zerstörten Welt leben müssen. Ohne Druck hätten die Menschen sich nicht bewegt, jetzt entsteht enorm viel Kreativität aus dem Chaos.

Ich bin glücklich, weil die Menschheit vielleicht doch noch eine kleine Chance auf diesem Planeten hat. Und viele Tiere und Pflanzen auch.

Dörte

die vor 3 Wochen schon Klopapier gehamstert hat :-)

Anonym schrieb am 31.03.2020 07:48

Coronazeit als Krankenschwester

Sorry, ich muss mal Frust ablassen.

Ich habe den Coronabeitrag am Anfang sehr intensiv verfolgt und hatte am Anfang geschrieben, dass ich keine Angst vor dem Virus habe, aber Angst vor den Auswirkungen. Das hat sich mittlerweile geändert.

Ich arbeite als Krankenschwester in einem Krankenhaus. Teilzeit, weil ich 2 Kinder habe 7 und 5 Jahre alt.

Die erste Woche als die Schulen und Kindergärten geschlossen hatten, habe ich unbezahlten Urlaub genommen. Seid letzte Woche arbeite ich wieder. Seid Donnerstag gehen meine Kinder an den 2 Tagen die Woche, die ich arbeite in die Notbetreuung. Meine Tochter hat nur Betreuung, keinen Unterricht! Ich muss sie unterrichten. Sie geht in die erste Klassen.

Im Krankenhaus sind Zustände die ich noch nie erlebt habe. Ich arbeite seid 1996 im Krankenhaus.

Wir haben nicht genügend Schutzausrüstung. Jede Krankenschwester muss ein Set den ganzen Tag tragen. Unter normalen Umständen wird nach jeden Patientenkontakt gewechselt!!!! Unser Desinifektionsmittel ist aus. Wir haben normalerweise eines, das 30 Sekunden Einwirkzeit hat. Jetzt bekommen wir abgefülltes mit 2 Minuten Einwirkzeit! Im Klinikalltag ist das eine Katastrophe.

Uns werden ständig Sachen aus abgesperrten Bereichen gestohlen! Mundschutz, Desinfektionsmittel, usw. An manchen Tagen könnten wir heulen.

Gestern haben wir erfahren, dass sich die erste Mitarbeiterin infiziert hat! Mit Corona! Trotz Schutzausrüstung!

Wir haben jetzt Angst!

Wir leben in einen Großfamilie. Der Opa der Kinder wohnt mit uns in einem Haushalt!!! Gemeinsame Küche und Wohnzimmer. Er ist 85 Jahre alt und hatte vor 2 Jahren eine Gehirnblutung, die er gerade so überlebt hatte. Ich kann mich nicht von ihm fern halten.

Gestern wurde eine Mitarbeiterin im Krankenhaus nach Hause geschickt. Sie hat mit ihrem "sie hat ja solche Angst" alle anderen Wahnsinnig gemacht. Sie war kurz vorm Nervenzusammenbruch.

Ausserdem kann man im Internet bei einer Tageszeitung nach lesen, wieviele Coronapatienten wir gerade haben und wieviele Patienten gerade beatmet werden!!!! Wir dürfen nicht darüber reden, aber die halbe Welt aussenrum weiß es. Das hat es früher auch nicht gegeben.

Und wir sind ein sehr kleines Krankenhaus.

Teilano Fanthagiro

Gerlind (Profil) schrieb am 31.03.2020 09:53

@Dörthe,
glaubst du wirklich, dass wir am Anfang eins großen Wandels stehen? Ich kann mir das nicht vorstellen.
Grundsätzlich bin ich ein optimistischer Mensch und glaube auch an das Gute im Menschen, aber ich denke eher, es wird " nachher" so weiter gehen wie bisher, der Mensch vergisst so schnell...
Klar, für die Menschen, in deren Umfeld jemand an dem Virus verstirbt, für die ist dann nichts wie früher, aber das ist ja grundsätzlich so. Oder für die, deren berufliche Existenz bedroht ist.

Aber alle anderen? Wird sich in der Politik wirklich was ändern, konsumieren wir weniger, reisen wir nur noch im eigenen Land, verkaufen wir das dicke Auto, suchen wir uns alle ne Arbeit die wir per Rad erreichen (abgesehen vom finden) usw. ?

Belehrt mich gern eines Besseren, aber da bin ich echt pessimistisch.
Gerlind

Dörte (Profil) schrieb am 31.03.2020 10:13

Liebe Fanthagiro,

danke für Deine Schilderung!!
Das komische an unserer Situation ist eben, dass sich die Dramen hinter verschlossenen Türen abspielen, während draußen die Sonne scheint und viele trotz Schutzmaßnahmen ein relativ normales Leben weiterführen können.
Das klingt entsetzlich, was Du schreibst. Ich wünsche Dir, dass Du körperlich und seelisch unversehrt bleibst! Und dass Du Menschen um Dich hast, die Dich wahrnehmen und auffangen.

Was können wir tun? Uns selber schützen und unsere Mitmenschen überzeugen.
Es gibt ja mittlerweile schon Anleitungen für Mundschutz zum Basteln, ohne Nähen. Ich dachte mir, wir könnten solche herstellen und z.B. an unseren Mini-Supermarkt geben, damit der Inhaber sie in erster Linie an die alten Leutchen verteilt, die immer noch kommen...

Liebe Grüße,
Dörte

Dörte (Profil) schrieb am 31.03.2020 10:35

@ Gerlind:
Da bin ich auch gespannt auf andere Antworten! Ich bleibe optimistisch.
Dörte

Anonym schrieb am 31.03.2020 10:46

Ich hab leider auch Zweifel, dass sich etwas andern, ich fürchte eher, die Menschen werden feiern, verreisen, fliegen, alles nachholen was so weit weg war.

Obwoh bei uns Kurzarbeit mit einem Gehalt ins Haus steht und es echt knapp wird geht es uns gut. Die Kinder sind deutlich ruhiger uns ausgelichener, es wird nun klar, mit wieviel Stress der Schul-) Alltag verbunden ist.

Wie müssen ein Haus abbezahlen, es ist nicht klar wie alles weiterluft und ich mach mich enorme Sorgen und Eltern und Schwiegereltern, die alle, neben dem Risiko" Alter" noch große gesundheitliche Probleme haben mit Herz, Niere und Lunge.

Und trotzdem: Die Initativen, die sich rund herum aufbauen, die vielen Hilfsangebote die aus dem Boden sprießen, die alten Kontakte die sich melden und fragen, hey wie geht es euch, ist alles ok?! Das alles gibt mir ganz viel Zuversicht! Die Menschheit ist nocht per se schlecht, ein Bild, das ich leider viel zu oft vor Augen hatte. Viele wollen helfen, unterstützen, tätig werden, für andere! Vielleicht weil diese tiefe Krise alle trifft.

Was wir tun können?
Aufhören zu verharmlosen, uns bewußt machen, dass wir eine Verantwortung nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere haben. Und die Zeit der kritischen Fragen ist nicht jetzt! Jetzt ist die Zeit der Hilfe!

Anonym schrieb am 31.03.2020 12:18

Es wird sich definitiv etwas ändern nach diesen massiven Einschnitten in unser Leben.
Die Frage ist, in welche Richtung wir uns als Gesellschaft bewegen. Wird es politisch nationaler werden? Werden wir die aktuelle Solidarität aufrecht erhalten? Werden wir (noch) ängstlicher gegenüber Fremden werden?
Ich verstehe dich sehr gut Dörte, mit deinem Wunsch nach spiritueller Veränderung, nach einem anderen Bewusstsein.
Wir werden sehen.
Und ich denke auch, dass im Moment jeder gut für sich und seine Familie sorgen sollte (physisch, psychisch und spirituell), ohne andere damit zu gefährden.

LG Doro

Anonym schrieb am 31.03.2020 12:19

Ich sehe es auch eher wie Gerlind. Das große Ganze wird sich nicht ändern, fürchte ich. Der Mensch ist doch zu sehr auf (Selbst-)Optimierung ausgelegt. Sicher wird es den ein oder anderen zum Umdenken bringen, schon allein dadurch, dass es Alternativen aufzeigt, aber alle? Das wage ich sehr zu bezweifeln. Kleinigkeiten ändern sich vielleicht, aber nichts Entscheidendes. Und den Leuten, die vorher schon eine gute Work-Life-Balance hatten (oder wie das so schön heißt), denen bringt die Zeit momentan eher Stress als Glück, weil die Erholungsphasen in den Familien meist völlig wegfallen. So ist es zumindest bei uns. Bisher hatte ich vormittags ein wenig Zeit für mich, jetzt darf ich von morgens bis teilweise 22 Uhr bis zu drei Kinder mit unterschiedlichsten Bedürfnissen unterhalten. Da ist definitiv mehr Stress als Glücksgefühle.

Insgesamt kann man aber nur hoffen, dass die Einsicht, die man jetzt vor allem in den Krankenhäusern gewinnt, bis zur nächsten Krise bleibt. Nämlich, dass die wesentlichen Dinge im eigenen Land produziert werden müssen. Das verhindert Abhängigkeiten und ermöglicht eine schnellere Anpassung der Produktion an den Bedarf. Das hat man schlichtweg blind verschlafen.

Anonym schrieb am 31.03.2020 17:32

Ja, alle können sich momentan glücklich schätzen, deren Kinder schon größer sind, so dass sie sich schon ein Stück weit selbst organisieren und beschäftigen können.
Auch diejenigen, die viel Platz und Auslauf und Ausweichfläche haben.
Und diejenigen die nicht unmittelbar in finanzielle Not geraten.

Bei uns trifft all das zu, und wir sind alle sehr froh darüber!

Beruflich habe ich aber gerade sehr viel zu tun, weil ich verantwortlich dafür bin, Notbetreuung zu organisieren. Und darüber sehr viel zu tun habe mit Eltern, deren Kinder Risikopatienten sind, deren Kinder sich nicht selber beschäftigen können und sehr intensive Aufsicht benötigen. Die teilweise in beengten Verhältnissen und oftmals nicht intakten familiären Beziehungen leben.
Von Glücksgefühlen in großem Stil bin ich daher auch weit entfernt.

Ich möchte hier an alle appellieren, die jetzt Zeit und Kapazität und Kraft übrig haben:
Bietet eure Hilfe an!
Natürlich nicht unkontrolliert, denn wer jetzt für 10 Leute einkauft und noch bei der Tafel hilft, für den älteren Nachbarn kocht und die Kinder der anderen Nachbarin hütet wird eher zum Superspreader, als zum Segen.
Aber zum Beispiel über die Portale der Landkreise und der Bundesländer kann man sich freiwillig melden. Dort wird man dann für eine Stelle eingeteilt. Z.B. als organisatorische Hilfe beim Blutspenden o.ä.

Es wird so viel Hilfe benötigt!

Alles Gute an alle! AnoH

Anonym schrieb am 31.03.2020 18:32

Hm, stressfrei - das ist hier gar nicht so. Ich stehe superfrüh auf, um mit Glück schon zwei Stunden gearbeitet zu haben, bevor das Kind aufwacht. Meistens wird es nur eine, die restlichen 5 muss ich mir dann über den Tag zusammenklauben. Ich habe nur ein Kind und das kann sich zwar oft gut alleine beschäftigen, ist aber erst in der ersten Klasse und benötigt sehr viel Anleitung bei den zahlreichen Schulaufgaben und platzt auch sonst immer wieder rein, wenn ich gerade mitten im Denken bin. Dazu der zusätzliche Stressfaktor, dass die Arbeit dokumentiert werden soll, also wann wurde was gemacht. Von depressiven Mann (also mit Diagnose) fange ich gar nicht an...

schokine2008 (Profil) schrieb am 31.03.2020 19:49

Also ich dachte, es läuft allmählich besser in der 3. Woche, aber meine 2 Dauerstreiter merken jetzt , dass sie zu wenig bisher geschafft haben und verzweifeln jetzt daran und machen deshalb jetzt gar nichts mehr. Ich habe Aufgaben portioniert, damit es sie nicht so erschlägt, Pläne gemacht, wir gehen viel raus- es hilft nichts, die Hausaufgaben bleiben unerledigt. Sie eschuldigen sich gegenseitig, dass der andere ablenkt Ich fühle mich deshalb leider- auch wenn ich anfangs dachte, es wird - zunehmend ohnmächtig. Jeder kommt mit Beschäftigungstipps, aber uns ist keine Minute langweilig.

Der Große hat in Kürze Geburtstag. Das wird bestimmt komisch so ohne Gäste. Werde seine Lieblingstorte machen und die Reste dann alleine aufessen. Nehme dank stressbedingtem Schokigenuss fleißig zu.

Mir hilft ansonsten Musikhören und ab und zu eine Runde alleine raus.

Anonym schrieb am 31.03.2020 20:24

Ja, so einen habe ich auch zu Hause. Wenn ich still daneben sitzen bleibe und darauf warte, dass er weitermacht, geduldig, aber unnachgiebig, dann macht er es und ist hinterher gut drauf.

Lola (Profil) schrieb am 31.03.2020 20:27

Bei uns auch Geburtstag ohne Familie, ohne Freunde... :( an Karfreitag also in unserem Haushalt eigentlich auch ohne Lieblingsessen... Ich glaube, das bring ich nicht fertig. ;)

Tiana (Profil) schrieb am 31.03.2020 20:38

Schaut mal unten im Link, vllt ist das für manche eine Hilfe die mehr Unterstützung bei den Aufgaben brauchen.
Hier läuft es bisher ganz ok. Nur die Nachbarn sind inzwischen sauer, weil die kinder zu laut sind im garten.... naja sonst waren sie immer auf dem Spielplatz. Da liegen die nerven inzwischen blank.

Danke F. für deine Schilderung. Ich starte nächste Woche nach Elternzeit wieder im Gesundheitswesen und bin schon ziemlich unruhig, was mich erwartet. Mir wurde schon mitgeteilt, dass ich eigene schutzkleidung mitbringen soll. Das habe ich noch nie erlebt.
Ich bin allerdings auch unentschlossen ob ich die notbetreuung für die kinder nutzen will. Sind eure betreuten kinder bei ihnen bekannten erziehern oder Einrichtungen?

Lg

https://www.corona-school.de/

Anonym schrieb am 31.03.2020 22:04

Unsere Kinder gehen, wenn nicht gerade einer frei hat, in die Notbetreuungen. Manchmal würde ich die Kinder auch lieber beschützend zu Hause betreuen, an manchen bin ich aber ganz froh „normal“ arbeiten gehen zu können.

In der Grundschule sind nur eine Handvoll Kinder und die Lehrer wechseln sich ab. Die Kinder kennen aber die Lehrer, das ist kein Problem. Die beiden Kleinen gehen in ihren Kindergarten, allerdings sind nur noch wenige Erzieher übrig. Aber da es eine Einrichtung mit relativ offenem und familiären Konzept ist, ist es für die Kinder kein großes Problem, wenn mal nicht der eigentliche Gruppenerzieher da ist. Die beiden finden es gerade echt toll dort, mit so wenig Kindern.

Anonym schrieb am 31.03.2020 22:09

Obwohl ich tagsüber ruhig merke merke ich, dass die Anspannung am späten Abend und nachts hochgeht.
Die Zahlen sind für mich inzwischen erdrückend. Heute morgen waren es 718.000 Infizierte, im Moment liegen wir weltweit bei 846.000.
128.000 mehr an einem Tag, 41.400 Verstorbene insgesamt. Das sind Zahlen, über die ich bei jedem Sience Fiction Film ob der Absurdität die Augen gerollt hätte.
Inzwischen werden Tauchermasken zur Beatmung in Italien eingesetzt, Decathlon hat gespendet. Ist das nicht alles völlig verrückt?
Man muss die eigene Schutzkleidung mitbringen wenn man im Krakenhaus arbeitet?
Wo endet das denn???????
Ich hoffe, es ist bald vorbei!

Anonym schrieb am 31.03.2020 22:34

Ich finde es auch deutlich stressiger als den normalen Alltag. Allein das Einkaufen. Was sonst eine Stunde gedauert hat, jetzt zweieinhalb. Bei meiner Einkaufskooperative muss man nun auch warten, bis zu eine Stunde. Heute beim Blutspenden eine Stunde gewartet usw.
Homeoffice mit vielen Unterbrechungen durch das vom Homeschooling gestresste oder überforderte bzw jetzt in den Ferien gelangweilte Kind. Jeden Tag Essen kochen, im Haushalt fällt auch mehr an, wenn man die ganze Zeit zuhause ist. Homeoffice ist auch stressig, weil vieles nicht oder nur sehr langsam läuft. Trotzdem soll man irgendwie alles schaffen.
Kind jammert auch rum, immer nur mit der ollen Mutter eingekerkert.

Nachts dann schlafe ich schlecht, weil die Gedanken so kommen... wie die Zukunft wird oder auch ganz belanglos, an was ich alles so denken muss am nächsten Tag.

Objektiv geht's uns ja noch gut. Trotzdem vermisse ich so viel, vor allem den direkten Austausch mit Menschen, die vor mir stehen oder sitzen. Einfach mal irgendwo hin zu gehen oder zu fahren. Hier in de Großstadt schon schwierig. Bei dem schönen Wetter macht das schon fertig. Und nicht zu meinen zu können, jetzt im Frühjahr ist es da immer so schön.

Klopapier gibt's hier übrigens ab und an in einer Drogerie, die rationiert und keine Parkplätze hat ;-).

Gruß
Bettina





Anonym schrieb am 01.04.2020 09:15

Ich gebe zu, dass sich mein Leben gerade sehr entschleunigt hat. Für mich ist der März mit drei Geburtstagen der Kinder und einem sehr stressigen Monat in der Schule (Korrekturen) immer viel zu voll und laut. Wie oft stand ich schon am Fenster und habe auf meine Tulpen und Osterglocken geschaut und mir gewünscht, dass der Monat vorbei ist und mich geärgert, dass ich ihn nicht mehr genießen kann.

Ich weiß aber auch, dass ich in einer sehr privilegierten Situation bin. Wir haben einen Garten. Die Kinder erledigen die schulischen Aufgaben ohne zu meckern. Sie haben verstanden, dass sie im Moment nicht mit anderen Kindern spielen können. Die Einkäufe krieg ich aus einem Bioladen geliefert, und weil das nicht ganz günstig ist, merke ich, dass ich viel überlegter und nachhaltiger wirtschafte. Ich backe wieder viel mehr, ich nähe gerade ganz viele Mundschutze für die Leute hier im Dorf. Mittlerweile schicken mir die Schüler immer mehr Probeaufsätze, das heißt auch für mich beginnt das homeoffice jetzt. Da merke ich schon, wie schwierig das ist konzentriert zu arbeiten (wobei ich das schon immer merke und deshalb Korrekturen meist abends laufen).
Was mich aber tatsächlich am meisten entlastet ist, dass mein Ex-Mann die Kinder regelmäßig nimmt, und sei es nur mal für ein paar Stunden. Das tut meinen Nerven schon immer gut und nun besonders.

Meine Schulleitung geht nicht davon aus, dass wir nach den Osterferien wieder starten. Manch einer sagt schon, dass es wohl keinen Unterricht mehr in diesem Schuljahr geben wird. So pessimistisch bin ich mal noch nicht. Ich würde meine Schüler gern nochmal wiedersehen.

Ich schäme mich eher, dass wir normal weiterbezahlt werden. Unsere Ausgaben sind ganz massiv gesunken, ich habe keine Fahrtkosten mehr, mein Partner und ich gehen nicht mehr Mittagessen, so vieles fällt weg. Wir kriegen sogar die Gebühren von Kindergarten und Schulbetreuung zurück. Mindestens das Geld spende ich dem Förderverein. Andere müssen an ihre finanziellen Grenzen gehen und für mich ist das gerade ein bisschen wie Urlaub. Das ist mir unangenehm.
Habe auch schon gesagt, dass ich jemandem finanziell unter die Arme greifen kann, wenn das nötig ist, im Moment ist in meinem unmittelbaren Umfeld keiner betroffen, alle Betriebe schaffen es noch so. Mal schauen. Oft ist es ja aber auch so, dass die, die es bräuchten, das lieber für sich behalten.
Naja, mal sehen. Unmittelbare Angst vor dem Virus habe ich nicht mehr, seitdem ich daheim bin. Das ist jetzt seit drei Wochen der Fall. Was jetzt kommt, habe ich nicht mehr in der Hand.

Die Schilderungen aus dem Klinikalltag schockieren mich. Wir sind so ein reiches Land! Eigentlich. Ab und zu habe ich die Hoffnung, dass wir danach mal "Inventur" machen und uns überlegen, was wirklich zählt. Das wäre mein Wunsch.

Anonym schrieb am 01.04.2020 09:18

Hallo,
ja die Tage sind "relativ" entspannt, weil man nicht noch einen anderen Termin im Hinterkopf hat. Aber man merkt auch, dass es allmählich reicht.
Ich hab die Osterfeiertage total ausgeblendet, da muss ich wohl doch noch ein bisschen was besorgen, was die Kinder im Garten suchen können.
Über die Kinderbetreuung muss ich mir wenig Sorgen machen, Oma und Opa wohnen mit im Haus und ich muss im April nur wenige Tage arbeiten. Wir werden sehen, ob es so bleibt.
Dem Betrieb meines Mannes fehlen Erntehelfer, die dürfen nicht einreisen. Obwohl sie 14 Tage in Quarantäne gehen, alles 3xtgl. desinfiziert wird u. sie auch zum Einkaufen nicht den Betrieb verlassen müssten. Er verzweifelt daran, dass die Menschen dort auf die Einkünfte als Erntehelfer angewiesen sind um ihre Familie zu versorgen. Über all die Jahre hat man sich gut kennengelernt, hat Freundschaften geknüpft. Und es betrifft ja auch unsere Lebensmittelversorgung, aus den anderen Ländern, wo wir bisher so fleissig importiert haben, wird auch nicht so viel kommen.
Die Suche nach Arbeitskräften aus der Gegend gestaltet sich auch als schwer, die Arbeit ist körperlich anstrengend.

Viele Grüße

natascha (Profil) schrieb am 01.04.2020 11:22

Hi.
Versucht es mal bei den Uniplattformen.

Unsere Spargelbauern haben über Faceb. Gesucht.


Echt doof.
Sind wir ein Europa?
Was das für einen Rattenschwanz mit sich zieht.
Ich drück euch die Daumen.

Liebe Grüsse Natascha

Anonym schrieb am 01.04.2020 13:21

Moin!

Auch wir haben keinen Grund zu jammern. Wir haben ein sicheres Gehalt, unsere drei Jungs sind sich selbst genug, Schule klappt halbwegs, wir machen viel Musik, spielen im Garten, gehen spazieren und radeln ans Meer.

Aber ich hab Angst. Ich hab gerade nach 8 Jahren Elternzeit mir wirklich was Neues aufgebaut, teure Fortbildungen gemacht, Strippen gezogen, telefoniert, organisiert undundund, um auf Musik mit Kindern umzuschulen, das ist alles super angelaufen, und werde jetzt komplett ausgebremst. Verdienst gleich null, Erfahrung gleich Null, Kontakte gleich null usw.

Finanziell bin ich über meinen Mann sicher, aber so ist das für mich gerade eine kleine Katastrophe. Ich war so froh, endlich mal wieder loslegen und arbeiten zu dürfen!

Aber ich hoffe, dass es für mich dann spätestens nach dem Sommer losgeht, auch wenn ich dann wieder mühsam bei null anfangen muss. So lange müssen wir den Gürtel halt wieder etwas enger schnallen. Haben wir vorher mit nur einem Gehalt ja auch gemacht.

Trotz allem wird es weitergehen. Meiner Ansicht nach sollten sie die Schulen und Kitas vorher öffnen. Sonst wird das Problem nur in den Herbst und Winter verschoben, wenn wieder alle drinnen eng zusammen hocken. Meiner Ansicht nach sollte jetzt über den Sommer die widerstandsfähige Gruppe der Kinder und jungen bis mittelalten Eltern immunisiert werden -- mit Kontaktverbot zu alten Leuten. Vorausgesetzt die Zahlen gehen bis in zwei, drei Wochen weit genug runter.

Anonym schrieb am 01.04.2020 14:14

Ich nochmal, die Lehrerin.
In der Praxis muss es ja so laufen, dass sobald eine Infektion nachgewiesen ist, alle Kontaktpersonen für 14 Tage in häusliche Quarantäne müssten, unabhängig davon, ob sie selbst erkrankt sind oder nicht.
Das wird ein Problem in den Kindergärten und Schulen.
Wenn wenn Schüler oder Kollege X eben infiziert sind, machen wir den Laden wieder für 14 Tage dicht. Und das ganze immer und immer wieder. In Wuhan hat es mindestens zweieinhalb Monate gedauert, ehe die Schulen wieder geöffnet wurden, und das auch nur lokal und unter strengen Voraussetzungen. Ich weiß nicht, wie die Lage aktuell ist. Habe keine ganz neuen Meldungen dazu gefunden.
Aber im Moment reden wir von einer Zeit von fünf Wochen, die wir „planmäßig“ runtergefahren haben.
Außerdem wird der Schwerpunkt auf den Abschlussprüfungen liegen. Wir können nicht alles haben. Normaler Unterrichtsbetrieb, in dem wir eben auch noch die Ausfälle von Risikogruppen kompensieren müssen (sind wegen Alter und mir bekannter Vorerkrankungen in meinem Kollegium sicherlich 20, 25%, wobei ich nicht die Vorgeschichte jedes einzelnen kenne) oder geregelte Abschlussprüfungen. In der Abizeit zum Beispiel sind wir schon in normalen Zeiten extrem gefordert, zum einen was Aufsichten angeht (die nun viel „kleinteiliger“ geregelt werden müssen, sprich Aufsichtspersonal muss um ein vielfaches höher sein) und zum anderen was zu kompensierende Ausfälle der Kollegen in der Korrektur anbelangt. Wenn dann noch „Risikogruppenfreistellungen“ DAZUkommen, dann wird das nicht gehen. Und man hat sich für die Durchführung der Prüfungen entschieden - was ich per se nicht schlecht finde, aber eben mit normalem Unterrichtsalltag nicht vereinbar ist.
Außer wir schicken dann eine Lehrkraft zur Beaufsichtigung von zwei, drei Klassen in einen Raum. Naja, dann hätten wir uns alle Abstandsregeln auch gleich sparen können.

Ich habe keine Vorstellung, wie das alles laufen soll. Schon nach den Faschingsferien fand ich das ein Unding, dass wir da noch mit 32 Kindern in einem Raum waren und dann ging die Tür auf und es hieß, alle, die in Südtirol waren aufstehen und nach Hause gehen (und zwei, drei Kinder gingen) und eine Woche später dann das gleiche mit Tirol-Rückkehrern. Und dann hieß es, hier ist die Mutter krank, dort der Mann, da der, da der, aber nein, die Schule machen wir nicht zu. Dass ein Kollege infiziert war, haben wir erst erfahren, als die Schule schon eine Woche geschlossen war, da war es für uns alle dann „auch egal“.

Ich hoffe auf einen Antikörpertest im Sommer.

Bleibt gesund!

Anonym schrieb am 01.04.2020 16:05

Meiner Ansicht nach sollten sie die Schulen und Kitas vorher öffnen. Sonst wird das Problem nur in den Herbst und Winter verschoben, wenn wieder alle drinnen eng zusammen hocken. Meiner Ansicht nach sollte jetzt über den Sommer die widerstandsfähige Gruppe der Kinder und jungen bis mittelalten Eltern immunisiert werden -- mit Kontaktverbot zu alten Leuten. Vorausgesetzt die Zahlen gehen bis in zwei, drei Wochen weit genug runter.

Puh, das wäre ne harte Ansage!
Für mich das Equivalent zu einer Zwangsimpfung.

Es gibt viele, viele junge Menschen die das Virus ins Krankenhaus bringt. Nur weil viele überleben, heisst das nicht dass es nicht schlimme Schäden anrichtet.


Und auch in der Altersgruppe die du nennst gibt es genügend Tote. Das kann und darf die Politik so nicht bewußt hinnehmen, hoffe ich doch.

Es ist spannend, wie tief der Gedanke "nur für die Alten gefährich" nach so kurzer Zeit schon verwurzelt ist. Denn sowohl aus Itlalien als auch den USA werden ganz andere Meldungen laut und eine Alterstatisik der Toten gibt es aktuell nicht (kottigerit mich bitte, wenn das falsch ist).

Zum Beispiel im link ab 3.10 min und solche Ausagen gibt es wirklich viele!

Ich geb dir recht, wir müssen irgendwann zur Normalität zurück Aber das sehe ich erst als möglich an, wenn genügend Leute als immun getestet geworden sind, nicht auf Verdacht in Schulen geschickt werden zur Herdenimmunisierung. Und das wird noch eine ganze Weile dauern.

https://www.facebook.com/cnn/videos/898645903899654/?v=898645903899654

Anonym schrieb am 01.04.2020 16:49

hier wird die zahl der todesfälle in der schweiz - wie ich finde - recht sachlich diskutiert - vielleicht interessiert es jemanden?

lieber gruss,
sünneli

https://www.nzz.ch/schweiz/corona-peak-in-der-todesfall-statistik-in-der-schweiz-sterben-bereits-seit-zwei-wochen-mehr-leute-als-sonst-ueblich-ld.1549448

Anonym schrieb am 01.04.2020 16:55

Ihr Lieben,

hier ein sehr lesenswerter Artikel. Einfach mal kritisch anschauen.

https://multipolar-magazin.de/artikel/coronavirus-irrefuhrung-fallzahlen?fbclid=IwAR1Qgi94ZByrCeMudYgexTAdENz_DcWEvbR4hGFqeHJfpa4h2iMwR1_olW0

LG

Kathi (Profil) schrieb am 01.04.2020 18:04

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Gesamt.html

Hallo zusammen,
Ich lese nur bei Tagesschau und beim RKi. Jeden Tag kann man beim RKI tagesaktuelle Lageberichte lesen und da stehen auch Altersangaben zu den Todesfällen. Und ja, ich halte das RKI für seriös und glaube nicht, zusätzlich auch nur irgendeinen seltsamen YouTube-Beitrag oder sonst zu viel zu lesen.
Bleibt gesund
Kathi

Anonym schrieb am 01.04.2020 18:53

Danke Sünelli und Kathi für die informativen links!
Gerade die demografische Verteilung fand ich spannend.

Der link von Multipolar hat so viele Denkfehler drin dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen sollte zu argumentieren. Drum lass ich es einfach:-), vermutlich hatte sich das RKI das Gleiche gedacht;-).

Anonym schrieb am 01.04.2020 19:38

Meiner Ansicht nach sollten sie die Schulen und Kitas vorher öffnen. Sonst wird das Problem nur in den Herbst und Winter verschoben, wenn wieder alle drinnen eng zusammen hocken. Meiner Ansicht nach sollte jetzt über den Sommer die widerstandsfähige Gruppe der Kinder und jungen bis mittelalten Eltern immunisiert werden -- mit Kontaktverbot zu alten Leuten. Vorausgesetzt die Zahlen gehen bis in zwei, drei Wochen weit genug runter.

Puh, das wäre ne harte Ansage!
Für mich das Equivalent zu einer Zwangsimpfung.

Es gibt viele, viele junge Menschen die das Virus ins Krankenhaus bringt. Nur weil viele überleben, heisst das nicht dass es nicht schlimme Schäden anrichtet.


Und auch in der Altersgruppe die du nennst gibt es genügend Tote. Das kann und darf die Politik so nicht bewußt hinnehmen, hoffe ich doch.

Es ist spannend, wie tief der Gedanke "nur für die Alten gefährich" nach so kurzer Zeit schon verwurzelt ist. Denn sowohl aus Itlalien als auch den USA werden ganz andere Meldungen laut und eine Alterstatisik der Toten gibt es aktuell nicht (kottigerit mich bitte, wenn das falsch ist).

Zum Beispiel im link ab 3.10 min und solche Ausagen gibt es wirklich viele!

Ich geb dir recht, wir müssen irgendwann zur Normalität zurück Aber das sehe ich erst als möglich an, wenn genügend Leute als immun getestet geworden sind, nicht auf Verdacht in Schulen geschickt werden zur Herdenimmunisierung. Und das wird noch eine ganze Weile dauern.


Wie willst Du eine Herdenimmunisierung erreichen, wenn nicht durch Kontakte? Und Du darfst Dich ja auch zu Hause einschließen, bis auch wirklich alle anderen Infizierten wieder gesund sind, dann wirst Du wohl nicht mit dem Virus in Kontakt kommen. Das steht Dir frei. Es besteht kein Zwang, sich zu infizieren, es ist nur nahezu unmöglich, dem zu entgehen. Das sehen ja auch die Wissenschaftler und Politiker so, es geht ja nur darum, diesen Prozess so zu drosseln, dass genügend Kapazitäten da sind, um alle Behandlungsbedürftigen behandeln zu können. Und für die Altersstatistik der Toten verweise ich auf die Berichte des RKI.

Anonym schrieb am 01.04.2020 21:20

Ich habe nicht gesagt, dass Kinder und Eltern nicht auch schwerkrank werden. Aber doch viel seltener. Für eine Herdenimmunisierung müssen 60-70 % infiziert worden sein. Wie lange soll sich das denn hinziehen? Da ist es doch schlauer, die Gruppen, bei denen es selten schwer bis tödlich verläuft (übrigens: auch an der Grippe sterben Kinder), zu immunisieren. Das ist etwas ganz anderes als eine Zwangsimpfung, nämlich der fast natürliche Lauf der Dinge. Risikofälle sollten allerdings entscheiden dürfen, ihr Kind zuhause zu lassen.

Wieviele Existenzen stehen gerade auf dem Spiel? Wieviele mehr jede Woche, in der die Wirtschaft still steht?

Anonym schrieb am 01.04.2020 21:22

Einfach mal danke an alle, die in diesem Forum ihre Meinung schreiben und niemanden für eine anders lautende Meinung kritisieren. Jede hat "ihre" Medien zur Information, aus ganz unterschiedlichen Gründen und das ist goldrichtig!

Ich finde es sehr informativ hier andere Informationsquellen, Ansichten und Erfahrungen kennenzulernen. Das bereichert meine Meinungsbildung.

Ich hoffe, dass sich auch weiterhin alle hier trauen und trauen sollen, etwas zum Thema beizutragen.

Liebe Grüße
Lena

Anonym schrieb am 02.04.2020 07:35

Ich bin hin und her gerissen.
Mein Mann arbeitet in der Pflege und muss Überstunden machen, die Situation ist mehr als angespannt, ich bin mit einem sehr kleinen landwirtschaftlichen Betrieb selbstständig, auch diese Arbeit geht weiter. Meine waren gehen komplett an die solidarische Landwirtschaft und mir wird immer bewusster, wie wichtig alternative Strategien sind. Die Kinder laufen so nebenher, was viel besser klappt als gedacht. Wir leben in der Stadt und haben zum Glück einen Garten hinter dem Mehrfamilien Haus. Uns geht es gut, wir sind in einer total privilegierten Lage, auch wenn wir nicht viel haben und unser Einkommen durch Sozialleistungen aufstocken. Wir haben eine Krankenversicherung und leben in einem Land indem es Hilfen für arbeitslose und kranke gibt, das ist bei weitem nicht überall so.
Und während sich hier die Menschen um Klopapier kloppen oder für den Privatgebrauch Mundschützer bunkern und jeder nur an sein eigenes Wohlergehen denkt, ist die Lage auf Lesbos oder Moira mehr als prekär. Ungarn hat jetzt eine Diktatur und die rechten hier nutzen die Krise für ihre kranke Ideologie.
Bei meinem Bruder an der Arbeit (er arbeitet für einen Zulieferer eines großen Automobilherstellers) wird mal eben der Betriebsrat abgewählt. Der Chef hat den hauptsächlich bulgarisch stämmigen Arbeitern Angst gemacht, dass sie sonst ihre Jobs verlieren. Und die Krise so für sich perfekt genutzt.
Die Welt ist ungerecht, das wird mir im Moment besonders deutlich. Und wir tragen (schon allein historisch gesehen) einen Teil dazu bei.
Ich hoffe, dass es eine Chance sein kann. Das Menschen Home Office in Zukunft für sich einfordern, es vielleicht das bedingungslose Grundeinkommen gibt, es mehr zivilgesellschaftliches Engagement gibt und vor allem der Blick sich ein bisschen erweitert.
Halbano Muräne

Anonym schrieb am 02.04.2020 11:32

Kleiner Vorschlag: können wir den Zahlenaustausch in den anderen Threat verschieben?
Ich fand es ne schöne Idee von Dörte, sich hier mal über die anderen Facetten der aktuellen Situation auszutauschen. Ohne Zahlen, Modellrechnungen etc.
Nur ne Idee. Nichts für ungut Sünneli.

LG Doro

Anonym schrieb am 02.04.2020 14:54

Meiner Ansicht nach sollten sie die Schulen und Kitas vorher öffnen. Sonst wird das Problem nur in den Herbst und Winter verschoben, wenn wieder alle drinnen eng zusammen hocken. Meiner Ansicht nach sollte jetzt über den Sommer die widerstandsfähige Gruppe der Kinder und jungen bis mittelalten Eltern immunisiert werden -- mit Kontaktverbot zu alten Leuten. Vorausgesetzt die Zahlen gehen bis in zwei, drei Wochen weit genug runter.


Wie willst Du eine Herdenimmunisierung erreichen, wenn nicht durch Kontakte? Und Du darfst Dich ja auch zu Hause einschließen, bis auch wirklich alle anderen Infizierten wieder gesund sind, dann wirst Du wohl nicht mit dem Virus in Kontakt kommen. Das steht Dir frei. Es besteht kein Zwang, sich zu infizieren, es ist nur nahezu unmöglich, dem zu entgehen. Das sehen ja auch die Wissenschaftler und Politiker so, es geht ja nur darum, diesen Prozess so zu drosseln, dass genügend Kapazitäten da sind, um alle Behandlungsbedürftigen behandeln zu können. Und für die Altersstatistik der Toten verweise ich auf die Berichte des RKI.


Ich wohne ja in Deutschland mit Schulpflicht, also hätte ich keine Möglichkeit meine Kinder einzuschließen.
Auch sind Kinder als als Überträger zwischen den verschiedensten Altersgruppen gerade deshalb aus dem System der Ansteckung rausgenommen worden.
Und im Hintergrund passiert das ja weiter. Wir gehen einkaufen, arbeiten, kommen nach wie vor mit anderen Menschen in Kontakt. Nur viel weniger Menschen mit viel reduierteren Kontaken. Das heisst die Infizierung geht auch weiter.

Ich denke das viel mehr Menschen sich bereits ansgestckt haben und inzwischen immun sind, ohne das sie es wissen. Deshalb setze ich meine Hoffnung auf Immuntests für die Masse. Dann ist auch klarer wo wir stehen und wie schnell es weitergehen kann in die Normalität. Wie auch immer die aussehen wird, auch wirtschaftlich.
An Normalität nach Ostern glaube ich nicht.

Anonym schrieb am 02.04.2020 18:51

Ich muss mich auch mal kurz melden.
Ich hätte absolut nicht erwartet, dass sich die Situation für meine Kinder so positiv gut tut!!!!!! Es schockt mich,was Schule (und Kindergarten) plus Freunde treffen,Hobby (turnen,Schlagzeug) für einen Stress bei vor allem dem Großen,7Jahre, auslöst.
Mein Kind kann wieder spielen, und zwar den ganzen Tag.
Die beiden nehmen aufeinander Rücksicht,entschuldigen sich freiwillig nach einem Streit, sind kreativ,.... Hausaufgaben werden in Etappen auch erledigt.
Morgens zu wissen dass wir nichts machen hat meinem Sohn gezeigt,dass er entspannt in den Tag leben kann, sich an Zeiten hält und dazwischen sich frei entscheiden kann.
Mein Sohn vermisst natürlich Freunde und auch sein Schlagzeugunterricht und er macht alles sehr gern.
Aber ich merke wie ihn Schule und alles drum herum stresst und ich weiß nun überhaupt nicht,wie ich da ins Schulleben zurück kehren soll.
Trotz der schwierigen Lage bin ich so froh, dass wir als Familie momentan diese Erfahrung machen.
Ich steh jeden Tag mit komischem Gefühl auf: uns geht es zu Hause so blendend und andere bangen um ihr Leben, kämpfen sich im Gesundheitswesen durch....

Was für eine Zeit!

Grüße Susan

Anonym schrieb am 02.04.2020 21:41

Ich gebe zu, dass sich mein Leben gerade sehr entschleunigt hat. Für mich ist der März mit drei Geburtstagen der Kinder und einem sehr stressigen Monat in der Schule (Korrekturen) immer viel zu voll und laut. Wie oft stand ich schon am Fenster und habe auf meine Tulpen und Osterglocken geschaut und mir gewünscht, dass der Monat vorbei ist und mich geärgert, dass ich ihn nicht mehr genießen kann.

Ich weiß aber auch, dass ich in einer sehr privilegierten Situation bin. Wir haben einen Garten. Die Kinder erledigen die schulischen Aufgaben ohne zu meckern. Sie haben verstanden, dass sie im Moment nicht mit anderen Kindern spielen können. Die Einkäufe krieg ich aus einem Bioladen geliefert, und weil das nicht ganz günstig ist, merke ich, dass ich viel überlegter und nachhaltiger wirtschafte. Ich backe wieder viel mehr, ich nähe gerade ganz viele Mundschutze für die Leute hier im Dorf. Mittlerweile schicken mir die Schüler immer mehr Probeaufsätze, das heißt auch für mich beginnt das homeoffice jetzt. Da merke ich schon, wie schwierig das ist konzentriert zu arbeiten (wobei ich das schon immer merke und deshalb Korrekturen meist abends laufen).
Was mich aber tatsächlich am meisten entlastet ist, dass mein Ex-Mann die Kinder regelmäßig nimmt, und sei es nur mal für ein paar Stunden. Das tut meinen Nerven schon immer gut und nun besonders.

Meine Schulleitung geht nicht davon aus, dass wir nach den Osterferien wieder starten. Manch einer sagt schon, dass es wohl keinen Unterricht mehr in diesem Schuljahr geben wird. So pessimistisch bin ich mal noch nicht. Ich würde meine Schüler gern nochmal wiedersehen.

Ich schäme mich eher, dass wir normal weiterbezahlt werden. Unsere Ausgaben sind ganz massiv gesunken, ich habe keine Fahrtkosten mehr, mein Partner und ich gehen nicht mehr Mittagessen, so vieles fällt weg. Wir kriegen sogar die Gebühren von Kindergarten und Schulbetreuung zurück. Mindestens das Geld spende ich dem Förderverein. Andere müssen an ihre finanziellen Grenzen gehen und für mich ist das gerade ein bisschen wie Urlaub. Das ist mir unangenehm.
Habe auch schon gesagt, dass ich jemandem finanziell unter die Arme greifen kann, wenn das nötig ist, im Moment ist in meinem unmittelbaren Umfeld keiner betroffen, alle Betriebe schaffen es noch so. Mal schauen. Oft ist es ja aber auch so, dass die, die es bräuchten, das lieber für sich behalten.
Naja, mal sehen. Unmittelbare Angst vor dem Virus habe ich nicht mehr, seitdem ich daheim bin. Das ist jetzt seit drei Wochen der Fall. Was jetzt kommt, habe ich nicht mehr in der Hand.

Die Schilderungen aus dem Klinikalltag schockieren mich. Wir sind so ein reiches Land! Eigentlich. Ab und zu habe ich die Hoffnung, dass wir danach mal "Inventur" machen und uns überlegen, was wirklich zählt. Das wäre mein Wunsch.


ich bin auch Lehrerin am Gymnasium. Mit ganzer Stelle. Mich hat es voll überrannt. Ich bin auch im Medienteam. Ich habe etliche Mails beantwortet. Digitaler Unterricht im Google Classroom- ich musste mich erstmal einarbeiten. ich habe vielfach support geleistet, 6. Klässler brauchen auch viel Hilfe was digitales Arbeiten angeht, ständig habe ich Fragen beantworte. Ich habe es noch nicht geschafft die Abgaben der letzten Woche durchzugehen, ich schaffe Fragen zu beantworten, aber Feedback zu Aufgaben nicht. Ich unterrichte etwa 160 Schüler, bin Klassenlehrerin und selber haben wir 6 Kinder (davon 3 Schulkinder, zwei Kinder mit Behinderung - die drei jüngsten Kinder sind Pflegekinder). Ich bin dankbar, dass wir keine finanziellen Sorgen haben. Aber ich habe viel gearbeitet die letzten drei Wochen. Ich bin mit 5 Korrekturen in die Zeit gegangen. Vorgestern habe ich den ganzen Tag gesessen um die letzte Korrektur zu schaffen.

Wir retten noch nebenher Lebensmittel und geben sie an Bedürftige weiter. Aber ich habe es abgelehnt Gesichtsmasken zu nähen, ja ich kann nähen... Aber ich habe auch nur begrenzte
Kräfte...

Wir waren 2 Wochen Quarantäne (aber der Test war negativ beim Kind). Es war schon komisch, was sich alles verändert hat in zwei Wochen. Heute war ich das erste mal draussen- ich bin absichtlich vom Bahnhof zum Arzt gelaufen obwohl es eine U-Bahn gegeben hätte. Herrlich sich zu bewegen... Wir haben einen Garten und ein Ausreichend grosses Haus. Wir sind gut über die Zeit gekommen und dankbar gerade keine Termine zu haben. Aber ein schlechtes Gewissen für mein Gehalt habe ich nicht, wenn der Unterricht nach den Ferien nicht losgeht, werde ich wohl Videokonferenzen machen...

Anonym schrieb am 02.04.2020 21:45

Interessante Diskussion bei scobel auf 3sat gerade.
LG Doro

Anonym schrieb am 03.04.2020 12:09

@letzte Lehrerin: Wie macht ihr das? Was wird da genehmigt? Bei uns geht nichts wegen Datenschutz und ehrlich gesagt bin ich auch nicht bereit mich aus dem Wohnzimmer filmen zu lassen, nicht wissend es die Jugendlichen am anderen Ende der Leitung damit machen, wer sich hineinhacken kann usw. Aber wie gesagt, hier geht eh nichts, weil alles über amerikanische Server laufen würde und das dürfen wir nicht. Wir haben eine Videokonferenz in der Fachschaft probiert, 22 Kollegen - also noch weit entfernt von Klassenstärke - das hat null Effekt für irgendjemanden, unabhängig davon, dass alles ständig zusammenbricht und man ja auch nicht davon ausgehen kann, dass die Schüler technisch so gut ausgestattet sind wie wir Lehrer - wir haben jeder ein Tablet von der Schule bekommen. Die Schüler nicht.
Wir schicken Aufgaben, ich lasse mir Aufsätze zurückschicken und schicke sie kommentiert zurück. Das hat nichts mit dem Aufwand zu tun, den ich sonst habe - denn die Aufsätze würde ich ja auch mit Unterricht einsammeln.

Nun wurde verkündet, dass es nach den Osterferien nicht wieder losgeht, maximal für die Oberstufe. Da hätte ich dann wieder zwei Stunden pro Woche. Darauf würde ich mich freuen. Alltag wird so schnell nicht kommen.

Anonym schrieb am 03.04.2020 13:39

@letzte Lehrerin: Wie macht ihr das? Was wird da genehmigt? Bei uns geht nichts wegen Datenschutz und ehrlich gesagt bin ich auch nicht bereit mich aus dem Wohnzimmer filmen zu lassen, nicht wissend es die Jugendlichen am anderen Ende der Leitung damit machen, wer sich hineinhacken kann usw. Aber wie gesagt, hier geht eh nichts, weil alles über amerikanische Server laufen würde und das dürfen wir nicht. Wir haben eine Videokonferenz in der Fachschaft probiert, 22 Kollegen - also noch weit entfernt von Klassenstärke - das hat null Effekt für irgendjemanden, unabhängig davon, dass alles ständig zusammenbricht und man ja auch nicht davon ausgehen kann, dass die Schüler technisch so gut ausgestattet sind wie wir Lehrer - wir haben jeder ein Tablet von der Schule bekommen. Die Schüler nicht.
Wir schicken Aufgaben, ich lasse mir Aufsätze zurückschicken und schicke sie kommentiert zurück. Das hat nichts mit dem Aufwand zu tun, den ich sonst habe - denn die Aufsätze würde ich ja auch mit Unterricht einsammeln.

Nun wurde verkündet, dass es nach den Osterferien nicht wieder losgeht, maximal für die Oberstufe. Da hätte ich dann wieder zwei Stunden pro Woche. Darauf würde ich mich freuen. Alltag wird so schnell nicht kommen.


Einige Kollegen nutzen wohl Meet oder Zoom. Ich persönlich habe es noch nicht ausprobiert eben weil ich nicht weiss wer was mitfilmt und anderweitig verbreitet. Deswegen habe ich es vermieden bisher.
Wir haben von allen Schülern Einverständniserklärungen für die Gsuite. Die meisten Schüler haben ja ein Smartphone und können so in der Regel ihre Mails abrufen und dem Classroom beitreten. Wir wohnen in einer Großstadt ...
Ich habe mein erstes Erklärvideo gemacht. Mit einer Computerstimme. Ich unterrichte Mathematik, die Schüler sind da auch irgendwie auf Erklärungen angewiesen...Ich bin gespannt wie es weiter geht, ich weiss noch nichts dazu.... Nur das in NRW das Matheabitur nach Christi Himmelfahrt sein soll. Beweglicher Ferientag ist gestrichen- wir hatten Urlaub gebucht. Aber ob wir überhaupt fahren dürfen ist ja unklar...

Anonym schrieb am 03.04.2020 14:28

Hier in Sachsen sollen die Abiturprüfungen - bis jetzt - planmäßig stattfinden.

LG Doro

Anonym schrieb am 03.04.2020 14:29


Nun wurde verkündet, dass es nach den Osterferien nicht wieder losgeht, maximal für die Oberstufe.


Offiziell von der Landesregierung?

LG Doro

Anonym schrieb am 03.04.2020 15:16

Nicht offiziell als Erlass, aber die KM in BaWü hat gestern in der Stuttgarter Zeitung gesagt, dass sie davon ausgeht, dass nach den Osterferien die Schule stufenweise wieder geöffnet werden könnte (!), angefangen bei den Abschlussklassen, und man auch den worst case "keine Schule bis zu den Sommerferien" im Auge habe (und ich weiß, dass dies zumindest für einige Formen der beruflichen Bildung schon verordnet wurde, aber noch nicht veröffentlicht ist).
Heute hat sie wohl auch gesagt, dass man sich auch vorstellen könnte, Klassen 1 und 2 halt Montag und Dienstag zu unterrichten und Klassen 3 und 4 dann halt Mittwoch bis Freitag.
Ob die dabei auch berücksichtigen, dass manch einer mehr als ein Kind hat, weiß ich nicht...

Anonym schrieb am 03.04.2020 21:25

Der heutige Podcast ist wieder extrem gut, gerade zu diesem zu Recht sehr kontroversen, Thema! Auch sehr verständlich aufbereitet!

https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html

Cora (Profil) schrieb am 05.04.2020 15:44

Leute, schaut mal an den Himmel! Ich glaube, ich habe noch nie so einen strahlend blauen Himmel gesehen, mit nicht mehr als den ein oder anderen Greifvogel davor. Kein Flugzeug, kein Kondensstreifen, einfach nur klarer blauer Himmel. Ich glaube, ich wusste schon gar nicht mehr, wie das aussieht... Und meine Kinder haben das so wahrscheinlich noch gar nie gesehen. Hier sind immer mehrere Flugzeuge am Himmel....
Muss jetzt weiter schauen :-)

Cora (Profil) schrieb am 05.04.2020 16:13

Mir gehen in letzter Zeit oft die Berichte im Kopf herum, als in einigen afrikanischen Ländern Ebola ausgebrochen war. Haben wir damals uns eigentlich nur ansatzweise vorstellen können, wie es Menschen geht, deren kranke Angehörige von vollmaskierten Fremden isoliert werden, die verbieten, dass sie besucht werden oder im Sterben begleitet werden? Die die Beerdigungszeremonien versuchen zu verbieten, als schädlich, gefährlich bezeichnen, die den Menschen damit ihre gewohnte Art des Trauerns verbieten?

Vielleicht werden wir beim nächsten Mal verständnisvoller auf die Menschen blicken können und ihnen mehr das Gefühl geben können, dass wir ihnen auf Augenhöhe begegnen. Dass wir wissen, was wir verlangen und wie schlimm das ist.

Damit mich niemand falsch versteht, ich halte das Vorgehen medizinisch damals für absolut richtig und geboten. Ich hatte aber oft das Gefühl, dass wir schon etwas auf diese "traditionellen" und "einfachen" (damit war oft rückständig gemeint) Menschen herabschauen. Afrika eben, man weiß ja, viel Dorf, viel Aberglaube etc....
Jetzt sitze ich da mit Besuchsverbot im Pflegeheim, mit quasi isolierten (wenn auch freiwillig) Großeltern, mit geschlossenen Grenzen und Verwandten dahinter - und werde ganz demütig.
Auch ich habe oft gedacht, ja das ist halt Afrika. Nein, ich habe einfach nichts verstanden.

nachdenkliche Grüße

Anonym schrieb am 05.04.2020 19:29

Hier ein guter Podcast, der die gesellschaftlichen Möglichkeiten der Krise beleuchtet, sehr interessant und unbedingt hörenswert!

https://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/wissen/sendungen/wissen/swr2wissen-aula-20200405-was-wir-aus-der-corona-pandemie-lernen-koennen.m.mp3

Anonym schrieb am 06.04.2020 10:55

@Cora

Das freut mich, dass Du das schreibst, und ja, so geht es vielen Deutschen, schon von Kind an. Das habe ich gemerkt, als ich aus Afrika nach Deutschland kam, mit 8... Ich bin in Kamerun aufgewachsen und fühle mich diesem Land und dem Kontinent immer noch verbunden. Ein bisschen ist es in der Achtung nach der WM 1990 gestiegen, aber das hat schnell wieder nachgelassen.

Cora (Profil) schrieb am 12.04.2020 13:26

Hallo,

im Link eine wie ich finde sehr gute Analyse und Überlegung zum zukünftigen Umgang mit Corona.
Die Gruppe stellt einen risikobasierten sehr differenzierten Ansatz vor. Dabei wird geschaut, welche Bereiche kann man wieder anlaufen lassen und wo sollte man noch auf der Bremse bleiben, damit die Infektionszahlen nicht zu sehr ansteigen. Sie plädieren dafür, die Regelungen sehr flexibel zu handen, zeitlich wie örtlich.

Ob das in der Praxis funktionieren kann, kann ich nicht beurteilen, aber es ist im Ansatz das beste Konzept, das ich bisher gesehen habe, eben weil es soviele Aspekte einbezieht. Und vor allem: Absolut sachlich!

(Man muss nicht das ganze Papier lesen, auf den ersten Seiten wird sehr gut zusammengefasst, worum es geht.)

https://www.ifo.de/DocDL/Coronavirus-Pandemie-Strategie-Fuest-Lohse-etal-2020-04.pdf