"Die Zeit ist eine Wolke..."

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Anonym schrieb am 19.06.2020 21:13

Die Zeit ist eine Wolke...

Ihr Lieben,

es macht mich wahnsinnig!
Vornweg: Ich bin sehr pünktlich, schon beinahe zwanghaft. Das weiß ich auch und arbeite an mir.

Mein Ex-Mann ist das genaue Gegenteil. Für ihn ist Zeit eine Wolke, in der er frei schwebt. Diese Unzuverlässigkeit war der Anfang vom Ende unserer Beziehung. Ich habe bis zu vier, fünf Stunden auf seine Ankunft gewartet, ohne dass es ein Zeichen von ihm gab. Mit Kindern dann ging das nicht mehr, ich war ja darauf angewiesen. Das gab dann immer wieder ganz viel Stress und Ärger.

Nach der Trennung habe ich gesagt, dass ich von ihm erwarte, dass er die Kinder niemals warten lässt. Und es klappte gut.

Seit ein paar Monaten nun schleicht es sich wieder ein und es tangiert wieder mein Leben.

Es begann damit, dass ich von der Lehrerin angesprochen wurde, dass die Kinder einmal pro Woche zu spät kommen. Nicht viel, aber immer ein paar Minuten. Das ist der Tag, an dem der Vater sie bringt.
In letzter Zeit bringt er die Kinder immer wieder mal eine halbe, eine dreiviertel Stunde später zurück als abgesprochen. Ich bin dann halt daheim und warte. Ich könnte ja auch woanders sein, neulich hab ich den Kaffee bei einer Freundin abgebrochen und bin heim und saß dann dort 45 Minuten, bevor sie ankamen.
Heute rief die Schule an. Die Kinder waren zur Schließzeit nicht abgeholt worden. Es war zehn nach um, es ist Freitag, klar, die Betreuung will auch heim. Ich habe dann versucht den Vater zu erreichen, er schrieb mir dann kurz darauf, er sei jetzt da und wegen drei Minuten müsse man mich doch wirklich nicht anrufen.
Am Nachmittag stand mein Kind vor der Tür, es hatte sich beim Spielen verletzt (hat mit einem Freund aus der Straße gespielt, wusste ich nicht, ist aber okay). Habe ihn natürlich versorgt, es war etwas schockiert, weinte. Dann hat es gebeten bei mir übernachten zu dürfen. Habe den Vater angerufen, aber der sagte, nach dem, was heute Nachmittag war, nicht. Okay, ist sein Wochenende, kann ich nichts machen. Beim Warten erzählte mir das Kind, dass es im Beisein mit dem Vater mit dem Freund ausgemacht hatte, um drei da zu sein. Der Vater wohnt fünfzehn Minuten weg. Um drei setzte sich das Kind ins Auto und wartete. Irgendwann merkte der Vater die Abwesenheit des Kindes und fand es im Auto vor. Es kam zu einem Streit. Dann fuhr er das Kind zu seinem Freund. Beim Abholen empörte sich der Vater über die Aktion des Kindes. Ich habe dann gesagt, dass ich das Kind verstehe, da ja ausgemacht war, dass er um drei da ist und er als Vater auch dafür sorgen müsse. Das sah er ganz anders. Er konnte halt nicht vorher, da muss das Kind eben warten.
Ich erfuhr auch noch, dass die Kinder gestern wieder zu spät in der Schule waren. Es war das erste Mal seit drei Monaten, dass er sie gebracht hat.

Ich werde ihn nicht ändern, das ist mir völlig klar.
Aber ich möchte auch weder, dass dieses Verhalten Auswirkungen auf die Kinder hat noch dass sie es sich ebenfalls aneignen oder es okay finden andere warten zu lassen.

Ich weiß auch gar nicht richtig, was ich gerade hören will oder muss.
Ich spreche es ja immer mal wieder an. Aber es nutzt einfach nichts. Für ihn sind ein paar Minuten nichts und mehr kommt ja auch nicht immer vor, also ist es ja auch nicht so schlimm.
Mir wurde schon gesagt, ich solle es halt auch so machen, aber das finde ich auch doof, zumal es ja auch wieder auf Kosten der Kinder gehen würde.

Also kennt es jemand? Hat jemand die ultimative Lösung? Oder teilt jemand mein Schicksal?!

Antworten

Anonym schrieb am 19.06.2020 21:45

O je, nervig. Teile Dein Schicksal nur so ganz entfernt.
Also, 1. bin bzw. war ich immer extrem pünktlich. Weil ich zunehmend mit Menschen zu tun hatte, die unpünktlich sind, und ich mir oft sehr viel Stress mit dem pünktlich Sein gemacht habe, bin ich im privaten Bereich da etwas lockerer geworden, besonders wenn es die unpünktlichen Menschen betrifft.
2. Vater des Kindes: kommt nie pünktlich, Stunden später ist nix. Kind hat u.a. deswegen keinen Bock mehr auf Kontakt. Ist aber auch schon 13, und es gab nie eine Besuchsregelung.

Bei dir ja anders gelagert. Insofern kann ich nur theoretisch Ideen liefern.

Ich würde die Klassenlehrerinnen bitten, jedes Mal bei Verspätung morgens den Vater der Kinder anzusprechen (telefonisch, ...). Vielleicht kann er ja auch mal zum Gespräch in die Schule gebeten werden.

Wegen der anderen Unpünktlichkeiten könntest du deinen Ex darauf hinweisen, dass die Kinder Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit brauchen, und Unpünktlichkeit ist das Gegenteil davon. Dass er Gefahr läuft, dass die Kinder irgendwann bedient sind, und wenn die alt genug sind, entscheiden den Kontakt entsprechend reduziert zu gestalten.

Und ihm nochmal sagen, dass das Thema für dich wichtig ist. Vielleicht ist es dir so wichtig, dass du eine Elternberatung (um den Umgang zu betreuen) oder wie das heißt durch das Jugendamt überlegst?

Bettina

Anonym schrieb am 19.06.2020 21:55

Noch ein Gedanke: Unpünktliche Menschen nutzen ihre Zeit optimal für sich. Pünktliche nicht so. Das ist dann das, was mich daran so ärgert ;-)
Je nachdem (Dauer und Art, wie der andere warten muss) ist Unpünktlichkeit unhöflich und gedankenlos bis egoistisch und rücksichtslos. Das kann man, wenn es einen so stört, auch mal sagen.
Bei 1:1 Treffen kann man gut gegensteuern oder vorbauen/für sich sorgen . Wenn Dritte, gar Kinder mit drin hängen, schwierig.
Bettina

Lola (Profil) schrieb am 19.06.2020 22:33

Was gibt es denn für mögliche Konsequenzen? Also, ob die Lehrerin das wirklich macht, ist ja dann etwas anderes, aber welche Handhabe hätte sie? Ich würde sie bitten, dem Vater das mal aufzulisten.

bkoe0067 (Profil) schrieb am 20.06.2020 01:07

Oh Mann, das würde mich auch wahnsinnig machen!

Aber ich fürchte, man kann Menschen nur schwer ändern, wenn sie es nicht wollen bzw. einsehen.

Ich hatte eine italienische Freundin, die nahm es auch nicht so genau. Ich hab immer auf sie gewartet und mich geärgert. Und als ich mich drauf eingestellt hab und sie grundsätzlich frühestens eine halbe Stunde später erwartet und auch erst später zuhause war oder am Treffpunkt, war sie beleidigt, wenn sie pünktlich war :)

In Spanien und co ist das üblich, da kommen (fast) alle gleich zu spät, daher stört es auch keinen. Ich hab dann immer nur gefragt,ob wir uns zur deutschen oder spanischen Uhrzeit treffen :) Dies nur am Rande, es ist schon eine typische deutsche (aber nicht unbedingt schlechte) Eigenschaft bzw. ein deutscher Wert.

Vielleicht gibt Dir das etwas Gelassenheit.

In der Schule würde ich das auch der Lehrerin überlassen, mir den Papa zur Brust zu nehmen.

Privat würde ich ihn abholen lassen --- und warten lassen, wenn das Kind sich mittlerweile mit was anderem wartend beschäftigt -- und mein Kind selbst abholen.

Anonym schrieb am 20.06.2020 05:57

Liebe TS,

ich bin bei einer extrem unpünktlichen Mutter aufgewachsen . Und keine Sorge : Kinder tragen deshalb weder einen bleibenden Schaden davon, noch überehmen sie dieses Verhaltenautomatisch. Ich gehöre zur Gruppe der super-pünktlichen, und das eigentlich ab dem Zeitpunkt, zu dem ich alleie irgendwo hingegangen bin.

Was mir nicht gefällt, ist die Reaktion der Schule. Ich würde da ruhig sehr offen sagen, dass dir das Verhalten natürlich außerordentlich missfällt, aber dass sie dich bitte an diesen Tagen ausschließlich an den Vater wenden sollen. (Seid ihr offiziell getrennt - wenn nicht, musst du die jetztige Situation vielleicht noch mal deutlicher kommunizieren!) Es ist sein Problem, und er muss es ausbaden! Lass' dich da nicht reinziehen, denn wenn dadurch noch mehr Spannung zwischen euch beiden entsteht, ist denn Kindern auch nicht geholfen. Und wenn die Schule es nicht direkt versteht, dann sag es noch dreimal mehr. Sie haben doch sein Nummer, oder? Und wenn das nicht hilft, dann bist du halt auch einmal telefonisch nicht erreichbar - Die Schule wird die Kinder schon nicht alleine auf die Straße setzten...

LG
RU







Seit ein paar Monaten nun schleicht es sich wieder ein und es tangiert wieder mein Leben.

Es begann damit, dass ich von der Lehrerin angesprochen wurde, dass die Kinder einmal pro Woche zu spät kommen. Nicht viel, aber immer ein paar Minuten. Das ist der Tag, an dem der Vater sie bringt.
In letzter Zeit bringt er die Kinder immer wieder mal eine halbe, eine dreiviertel Stunde später zurück als abgesprochen. Ich bin dann halt daheim und warte. Ich könnte ja auch woanders sein, neulich hab ich den Kaffee bei einer Freundin abgebrochen und bin heim und saß dann dort 45 Minuten, bevor sie ankamen.
Heute rief die Schule an. Die Kinder waren zur Schließzeit nicht abgeholt worden. Es war zehn nach um, es ist Freitag, klar, die Betreuung will auch heim. Ich habe dann versucht den Vater zu erreichen, er schrieb mir dann kurz darauf, er sei jetzt da und wegen drei Minuten müsse man mich doch wirklich nicht anrufen.
Am Nachmittag stand mein Kind vor der Tür, es hatte sich beim Spielen verletzt (hat mit einem Freund aus der Straße gespielt, wusste ich nicht, ist aber okay). Habe ihn natürlich versorgt, es war etwas schockiert, weinte. Dann hat es gebeten bei mir übernachten zu dürfen. Habe den Vater angerufen, aber der sagte, nach dem, was heute Nachmittag war, nicht. Okay, ist sein Wochenende, kann ich nichts machen. Beim Warten erzählte mir das Kind, dass es im Beisein mit dem Vater mit dem Freund ausgemacht hatte, um drei da zu sein. Der Vater wohnt fünfzehn Minuten weg. Um drei setzte sich das Kind ins Auto und wartete. Irgendwann merkte der Vater die Abwesenheit des Kindes und fand es im Auto vor. Es kam zu einem Streit. Dann fuhr er das Kind zu seinem Freund. Beim Abholen empörte sich der Vater über die Aktion des Kindes. Ich habe dann gesagt, dass ich das Kind verstehe, da ja ausgemacht war, dass er um drei da ist und er als Vater auch dafür sorgen müsse. Das sah er ganz anders. Er konnte halt nicht vorher, da muss das Kind eben warten.
Ich erfuhr auch noch, dass die Kinder gestern wieder zu spät in der Schule waren. Es war das erste Mal seit drei Monaten, dass er sie gebracht hat.

Ich werde ihn nicht ändern, das ist mir völlig klar.
Aber ich möchte auch weder, dass dieses Verhalten Auswirkungen auf die Kinder hat noch dass sie es sich ebenfalls aneignen oder es okay finden andere warten zu lassen.

Ich weiß auch gar nicht richtig, was ich gerade hören will oder muss.
Ich spreche es ja immer mal wieder an. Aber es nutzt einfach nichts. Für ihn sind ein paar Minuten nichts und mehr kommt ja auch nicht immer vor, also ist es ja auch nicht so schlimm.
Mir wurde schon gesagt, ich solle es halt auch so machen, aber das finde ich auch doof, zumal es ja auch wieder auf Kosten der Kinder gehen würde.

Also kennt es jemand? Hat jemand die ultimative Lösung? Oder teilt jemand mein Schicksal?!

Anonym schrieb am 20.06.2020 06:01

Was mir noch einfällt:
Du schreibst, deine Pünktlichkeit sei schon beinahe zwanghaft. Weisst du, dass dauerhafte Unpünktlichkeit ebenfalls zwanghaft sein kann? Das kenne ich von meiner unpünktlichen Mutter....
Vielleicht fälllt es ihn ebenso schwer, pünktlich zu kommen wie es dir schwerfallen würde, einmal unpünktlich zu sein.

LG
RU

Anonym schrieb am 20.06.2020 07:23

Guten Morgen,

bei ihm ist es familiär bedingt. Seine Eltern leben in der gleichen Wolke wie er. Besuche bei ihnen waren für mich reines Abwarten. Nichts geschah, wie es angekündigt war. Immer kam etwas dazwischen, ein Anruf, eine Zeitung, ein Snack, was auch immer. Wir wollten uns einmal zu einem Ausflug treffen, die Kinder waren noch recht klein. Wir haben eine halbe Stunde gewartet, dann hab ich gesagt, wir fahren jetzt ohne sie muss, die Kinder waren ja schon angezogen und wurden ungeduldig. Sie kamen eine Stunde nach uns an, die getätigte Reservierung im Gasthaus war hinfällig, ich war stinksauer. Hat keiner verstanden. Ich habe mich zuerst von ihnen zurückgezogen. Am Ende hat es aber die ganze Beziehung nicht ausgehalten. Ich musste die Kinder mit zu Besprechungen nehmen, weil der Vater nicht pünktlich war, und oft genug private Termine absagen, weil ihm was dazwischen gekommen war. Er ist der Vater, der immer zu Auftritten und Wettkämpfen zu spät kommt. Bis heute plane ich ihn nicht als Notfall ein, wenn bei mir was ansteht. Ich kann ihm da wirklich nicht mehr vertrauen.
Wir sind schon länger getrennt und das weiß auch jeder. Aber ich werde in der Schule nachhaken, dass sie ihn anrufen, wenn die Kinder sagen, dass Papa-Wochenende ist. Andererseits erfahre ich es ja nur so. Vielleicht sollten sie ihm die Zeit einfach mal in Rechnung stellen.

Meine eigene Pünktlichkeit ist auch familiär bedingt.
Im Rahmen einer Psychotherapie kam das mal zur Sprache. Deshalb auch der Satz mit der Zeit, die eine Wolke oder eben eine Linie ist. Ich merke selbst, wie bei mir die Anspannung steigt, wenn klar wird, dass es eng wird. Ich denke auch immer Wegzeiten mit, informiere mich vorher darüber, baue einen kleinen Puffer ein. Ich kann mittlerweile annehmen, wenn auf längeren Strecken Unvorhergesehenes auftritt und ich mich dadurch verspäte, dann melde ich mich kurz und es ist okay für mich. Aber er meldet sich ja nicht mal, er benutzt einfach meine Zeit mit und das ärgert mich sehr. Ich muss auch beruflich pünktlich sein, wir haben zum Beispiel morgens feste Zeiten, damit alles läuft. Umgekehrt habe ich kein Problem damit, wenn ein Kind zehn Minuten später als vereinbart vom Spielen nach Hause kommt. Bei einer Stunde hätte ich da sicher ein Problem.

Gestern habe ich dann noch gefragt, wann denn die Kinder wiederkämen und er sagte, er werde das daheim besprechen und mir am Abend sagen. Tja, ich weiß es bis jetzt noch nicht. Ist ja nicht so, dass ich nicht auch ein Leben hätte, als ob es keine Rolle spielt, ob drei Personen mehr oder weniger zum Mittagessen oder zum Abendessen da sind oder nicht.
Ich werde jetzt mal freundlich mit Verweis darauf nachfragen.

TS-Ano

natascha (Profil) schrieb am 20.06.2020 07:26

Hi.


Ich glaube dir, daas das stresst.
Du beginnst, die Verantwortung für ihn und sein verhalten zu übernehmen.
In der Schule, Betreuung würde ich mich komület raus halten.
Sein Tag seine Verantwortung.
Ich würde eher einen Plan abgeben, wann er das Kind hat, und zuständig ist.
Diese Gespräche bitte mit ihm.
Sagt die Kehrkraft, das Kind ist an diesen Tagen zu spät....bitte klären sie das mit dem Vater, habe ich keinen Einfluss drauf.
Nimm dich da raus.
Ist schwer, kontrolle abzugeben.
Aber es ist in dem Moment seine Entscheidung.
Nicht deine, du musst das auch nicht regeln.
Du wirst ihn, wie du schreibst, nicht ändern.
Du wirst dich nur aufregen und ärgern, und das jedes mal.

Ich würde ihm schon klar, machen, dass die Schule oder Betreuungszeit sehr wichtig ist, und fertig.


Vielleicht kannst du azsmachen.
Er schteibt, wenn er losfährt, um das Kind heim zu bringen, dann kannst du auch los.
Wenn du weiter weg bist, kannst du ihm das ja auch schreiben.
Er wird dann mit dem Kind kurz warten.
Er wird es nicht vor der Tür alleine stehen lassen.
Auch Termkne mit Freunden, sollen sie mit ihm klären.
Und es nicht an dir auslassen.


Lass los.

Wir haben immer Kinder, die zu spät kommen, durch die Eltern.


Viel Kraft.
Natascha