"Neue Regeln für Schwimmabzeichen "

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solskinn (Profil) schrieb am 19.08.2020 07:55

Neue Regeln für Schwimmabzeichen

Hallo miteinander!

Habe gerade - ich freu mich so - den dritten Schwimmkurs für meine zwei Jüngsten gebucht - zwei wurden bereits C-bedingt abgesagt. Der nun gebuchte startet im Dezember. Ob das was wird? Wir werden sehen.

Jedenfalls habe ich in einem großen Forum, in dem ich bei Schlafstörungen lese, aber selbst nicht schreibe, eine Diskussion zum Thema Schwimmenlernen verfolgt. Es ging um die Frage, wann die Kinder das Seepferdchen hatten. Da steht dann was von 3, 4 oder 5 Jahren.

Ich muss ja zugeben, dass mein Großer "erst" mit sechseinhalb sein Seepferdchen gemacht hat. Er hat vorher die 25 Meter nicht in einem Rutsch geschafft. Die Kinder, die ich jetzt angemeldet habe, werden, so der Kurs stattfindet, das Seepferdchen erst mit 7 bzw 8 machen.

Jetzt habe ich mal interessehalber nachgelesen, was denn eigentlich die Bedingungen für das Abzeichen sind und da sehe ich, dass es seit diesem Jahr (Wobei es verbindlich erst ab 2021 ist) neue bzw klarere Regeln für alle Abzeichen gibt. Beim Seepferdchen muss man ohne Unterbrechung 25m weit schwimmen (wie bisher) und dabei sichtbar ins Wasser ausatmen.

Aber lange Rede, kurzer Sinn: Ich dachte ja immer, das sei schon lange Vorgabe, denn so hat der Große es gelernt. Er macht wunderbare Auf- und Abtauchbewegungen und atmet ins Wasser aus und gleitet dabei. Er hat das Schwimmen im Verein und nicht in einem Kurs gelernt. Ich habe schon Kinder das Seepferdchen ablegen sehen, die wie Hunde die Bahn durchquert haben, und ich dachte immer, die Bademeister seien halt einfach kulant. Aber nein, die Regeln waren so. Und nun sind sie zukünftig ganz anders.

Ich stelle fest: Ich würde heute nicht mal das Seepferdchen bestehen, denn ich mache Oma-Schwimmen mit Kopf-in-Nacken... (Und für Bronze - ich habe ja sogar Bronze! - muss man zwei Techniken zeigen. Ich kann ja nicht mal eine richtig.)

Würdet ihr das Seepferdchen bestehen? Eure Kinder?

Unten habe ich die Kriterien mal verlinkt, falls es jemanden interessiert.

Grüße!

https://www.dlrg.de/informieren/ausbildung/schwimmabzeichen/

Antworten

Inge (Profil) schrieb am 19.08.2020 09:22

Meine Älteste hat ihr Seepferdchen auch "Hundepaddelnd" bekommen. Oder besser gesagt in ihrem eigenen Schwimmstil. Das war gestreckte Wasserlage mit Kraulbeinschlag und asynchronem Armzug, Rückführung der Arme aber unter Wasser (= Hundepaddeln). Kopf im Wasser, Atmung zu der Seite. Wenn man möchte also ein primitiver Kraulstil.

Das andere Kind, das gleichzeitig mir ihr das Seepferdchen gemacht hat, ist in (für ein fünfjähriges Kind) schönem Bruststil geschwommen, also kein "absaufschwimmen". Es hat für die 25 m mehr als doppelt so lang gebraucht.

Der Schwimmstil alleine sagt also nichts aus.

Und: an sich ist es richtig, dass man mit Ausatmung unter Wasser ausdauernder schwimmen kann. Allerdings ist die Koordination nicht gerade einfach. Außerhalb von Schwimmvereinen wird es wenige Kinder geben, die das vor dem mittleren Grundschulalter schaffen.

Insgesamt finde ich diese Änderung etwas fragwürdig, weil man ohne Probleme Kilometerweit mit Kopf über Wasser schwimmen kann. Auf der anderen Seite können sich viele "Schwimmer" nicht orientieren, wenn sie plötzlich und unvorhergesehen im Wasser landen und haben keine Ahnung wie man sich in fließendem Wasser verhält. Das gehört zum wirklichen Schwimmen können auch dazu.

Ich frage mich, was man mit dieser Änderung erreichen möchte? Das Alter des Seepferdchens nach hinten legen? Hätte durchaus Vorteile. Nicht umsonst heißt das Seepferdchen auch "Freibrief zum Ersaufen", weil die Eltern dann auch bei sehr jungen Kindern oft der Meinung sind, dass sie diese nicht mehr beaufsichtigen müssen, weil sie ja "schwimmen können".

Orientierung nach Sturz ins Wasser wird meist aber immer noch nicht vermittelt und geprüft.

LG Inge

solskinn (Profil) schrieb am 19.08.2020 09:53

Ich glaube auch, dass so versucht wird das Alter wieder nach hinten zu schieben. Gefühlt (!) ist der Anspruch da bei vielen Eltern schon gestiegen, dass das Kind schon im Kindergarten schwimmen können muss. Und wenn das Seepferdchen da ist, hören die meisten auf und sagen, so, Kind kann jetzt schwimmen.

Der Schwimmverein, in dem es der Große gelernt hat, wollte das Seepferdchen gar nicht verleihen. Das war dann mehr auf Druck von uns Eltern, dass die Kinder auch was in der Hand haben. Aber auch jetzt würde ich das Kind außer im Nichtschwimmerbereich eines überwachten Freibads nicht unbeaufsichtigt ins Wasser lassen. Er belegt (hoffentlich) ab September einen Aufbaukurs Technik (Kraul und Rücken) und wenn er dann mit Bronze nachzieht, würde ich mich bei ihm echt entspannen.

Als ich in der 4. Klasse war, hatten wir das erste und einzige Mal Schwimmen in der Schule. Die "Schwimmer-Gruppe" war die kleinste, dann gab es "Hslbschwimmer" und "Nicht-Schwimmer". Letztere bestand aus zwei Gruppen. Das war vor knapp über 25 Jahren. Wir mussten zur "Klassifizierung" Bahnen auf Zeit schwimmen. Ich kam aus welchen Gründen auch immer zu den Schwimmern. Heute halte ich mich für einen sehr schlechten Schwimmer. Ich mache eine Schere und kriege nach wenigen Metern einen steifen Nacken. Kopf unter Wasser geht gar nicht. Beim Rückenschwimmen verliere ich ganz schnell die Orientierung. Das ist so schade, denn Schwimmen ist ja einfach ein guter Sport für alle Lebenslagen. Vielleicht suche ich mir mal einen Lehrer, der mir paar Grundtechniken beibringt.

Genau das sehe ich aber kritisch: Wenn schon die Anforderungen erhöht werden - was angesichts der hohen Unfallzahlen sicher gut ist -, braucht es aber auch ein entsprechendes Angebot. Der Schwimmverein bei uns hat so blöde Trainingszeiten abends bis neun Uhr, dass das für so kleine Kinder einfach nicht geht. Beim DLRG kann man es gleich vergessen reinzukommen. Die Schwimmkurse sind immer sofort ausgebucht und teuer noch dazu mit mäßigem Erfolg. Und generell ist Deutschland mit seiner Fokussierung auf das Brustschwimmen recht allein. In vielen Ländern wird mit Kraul begonnen. Das soll von der Koordination her deutlich einfacher sein.

Anonym schrieb am 19.08.2020 10:20

Generell ging es wohl darum, die Kriterien klarer zu fassen und die Abzeichen (Jugend und Erwachsene) zusammen zu fassen.

Grundsätzlich ist hier aber auch ein sehr großes Problem mit zu wenig Kursplätzen fürs Seepferdchen und noch weniger weiterführenden Schwimmkursen. Ein Seepferdchen reicht ja der landläufigen Meinung nach... Uns hat leider auch Corona komplett ausgebremst. Der Mittlere hat noch sein Seepferdchen geschafft vorher, danach wurden beide beim Training fürs Bronze-Abzeichen ausgebremst. Und jetzt nach 5 Monaten ist viel Technik und noch mehr Kraft weg. Das ist echt so schade. Zumal sie im Frühjahr wohl auch noch nach der Übergangsregelung (ohne zweite Schwimmtechnik) hätten geprüft werden können, ob das jetzt noch so ist, weiß ich nicht. Damit würde sich das Ganze weit nach hinten ziehen und die Motivation schwinden, fürchte ich. Wofür man fürs sichere Schwimmen eine zweite Technik zeigen muss, erschließt sich mir eh nicht. Das finde ich etwas schade, weil es die Hürde doch sehr hoch legt. Da fehlt mir irgendwie ein Abzeichen dazwischen dann.

Und wir Eltern müssen uns was Neues überlegen, da wir bisher auch immer gesagt haben, wenn sie das Bronze-Abzeichen schaffen, dürfen sie alleine losziehen im Schwimmbad. Seepferdchen heißt für mich auch nur, ich muss nicht permanent die Augen auf einem Kind haben, sondern kann auch mit zweien los und die Aufmerksamkeit teilen, ohne dass einer von beiden gleich ertrinkt.

Ich hatte übrigens nie ein Seepferdchen, ich bin da raus ;-) Ich habe zwar einen Kurs gemacht, war danach aber lange verletzt und konnte es nicht verfestigen. Ich habe es mir dann später irgendwie selbst vollends beigebracht, so dass ich technisch auch eher schlecht als recht schwimme. Daher finde ich es auch wichtig, dass die Kinder das besser und früher lernen.

Grüße, akira