"Wenn das Kind einfach dumm ist"

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Anonym schrieb am 23.02.2021 12:12

Wenn das Kind einfach dumm ist

Hallo zusammen,

das hört sich jetzt vielleicht merkwürdig an. Wir haben drei Kinder. Alle sind gute Kinder, nett, lieb, süß. Zwei sind „normal“ und das Dritte ist einfach sehr langsam in der Entwicklung. Jetzt sechs Jahre alt, sie spricht immer noch mit vielen Fehlern, die Wochentage geben ihr Rätsel auf. Gestern oder Morgen versteht sie nicht. Mengen bis 5 sind schwierig. Im Kindergarten ist sie unauffällig. Dort sind aber so viele wirklich schlimme Sozialfälle, Gewalt und Drogen und solche Sachen, da rutscht sie einfach durch. Sie ist ruhig, lieb, verträumt, spielt gern allein...die Erzieher finden das gut.
Wir spielen Zuhause viel, lesen viel vor, basteln viel. Sie lernt einfach extrem langsam. Die Logopädin hat nun gesagt, sie wäre halt vielleicht einfach dumm. So etwas gibts. Da hilft alles nix.
Und jetzt? Im September kommt sie zur Schule, ich mache mir wirklich Sorgen.
Wie geht man damit um? Was würdet ihr tun?

Antworten

Anonym schrieb am 23.02.2021 12:59

Dumm?

Hallo!
Ich weiß jetzt nicht, ob mich das traurig oder wütend macht, daß ein Kind als dumm eingestuft wird?! Der Mensch ist ein Individuum und passt halt nun mal nicht in eine DIN Norm. Vielleicht ist das Mädchen einfach nur entwicklungsverzögert oder hat andere Begabungen, als das Raster, das man ihr/uns aufdrückt. Ich finde, Du tust alles, was möglich ist und das Kind hat eine liebe Art - für mich ist das wichtiger als lauter Einserabiturienten!!! Freue Dich drüber und nimm sie einfach an, ich weiß, das ist nicht immer einfach - ich habe da meine Erfahrungswerte. Ich habe auch so ein Kind, einen Sohn und quäle mich gerade durch das homeschooling, 4. Klasse Förderzentrum. Da könnte man stellenweise aus dem Fenster springen, wenn das Einmaleins einfach nicht klappt und sich die paar Hausaufgaben über den Tag strecken. Dazu habe ich noch ein Kind im Teenageralter mit einem genetischen Defekt, auch homeschooling, noch schlimmer. Dazu kommen die volljährigen Kinder, die es einem auch nicht immer leicht machen und Oma bin ich obendrauf und werde zur Betreuung herangezogen.
Das alles soll Dir Mut machen, Dein Kind anzunehmen, so wie es ist und vor Augen führen, dass es immer noch deutlich schlimmer geht - bei mir kamen nach den Zweifeln, Quälereien, Versagensängsten usw. usw. einfach die Feststellung, dass manche Sachen einfach unabänderlich oder bestenfalls zu mildern sind. Dann ging es leichter im Alltag.
Alles Gute Euch und liebe Grüße
Ano A.

ChristineT (Profil) schrieb am 23.02.2021 13:42

... also wenn die Logopädin das wirklich so gesagt hat, finde ich das echt hart! Was soll das heißen, da hilft alles nix??!
Wie war es denn bei den U- Untersuchungen beim Kinderarzt?
Gab es eine Schuleingangsuntersuchung oder ist das alles gerade auf Eis wg. Corona? Wenn Du Dir vom Kindergarten nichts versprichst, vielleicht kannst Du mal Kontakt zum Kinderarzt aufnehmen und ohne das Kind mit ihm sprechen.
Ansonsten fällt mir noch die Familienberatungsstelle / Erziehungsberatung ein als Anlaufstelle.
So wie ich Dich verstehe, machst Du Dir Sorgen, wie das mit der Schule klappen soll. Ich hoffe, Du findest eine Anlaufstelle, die Dir weiterhelfen kann.
Zuletzt kann ich Dir noch das Buch von Gerald Hüther "Jedes Kind ist hoch begabt" empfehlen. Ist schon ne Weile her, dass ichs gelesen hab, aber ich fand es sehr ermutigend.
Alles Gute Euch!

Anonym schrieb am 23.02.2021 18:00

Hallo

....von meinen Kindern fällt auch eins aus der Reihe - und alle drei kids sind verschieden........ ich finde sich so über ein Kind sich zu äußern "unterirdisch und unmöglich" - hier gibt es Beratungsstellen, die sich mit der Entwicklung von Kindern beschäftigen - an die würde ich mich wenden.

Einen Tasse Schokolade rüber schieb

Kathrin

Anonym schrieb am 23.02.2021 19:05

Ich stimme den anderen zu: Wenn es um die Schule geht, bist Du bei den Beratungsstellen richtig. Das Sprachförderzentrum macht beispielsweise auch einen kindgerechten Intelligenztest, ob es nur an der Sprache scheitert, oder ob da noch mehr im Argen liegt. Je nach dem gibt es dann eben geeignete Förderschulen.

Ansonsten kann ich Deinen Frust nachfühlen, musste aber beim eigenen Kind auch lernen, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Es ist nur so unglaublich schwer, die richtige Balance aus Annehmen und Fördern zu finden, empfinde ich. Das Kind unterstützen bedeutet ja irgendwie beides...

Viel Kraft und gute Nerven!

Anonym schrieb am 24.02.2021 06:56

Hi....

Ich finde so ne Aussage auch sehr krass.
Und hat sie einen umfassenden Test gemacht?
Dafuer gibt es Stellen.
Beim Kinderarzt wurde bei uns erstmal einen Entwicklungstest gemacht.
Der war sehr grenzwertig.
Dann wurde im Kinderzentrum ein Test ueber 3 Tage gemacht.
Motorig Sprache verhalten Umgang mit verschiedenen Situationen.
Frueher gab es kein Foerderkind in ner Regelschule.
Da sie Grenzwertig war.
Hatten wir mit der Mutter entschieden, erstmal Schulkindergarten und Rueckstufung.
Dann Regelschule und externe Foerderung.
Heute ist sie eine Junge Dame. Hat mit viel Hilfe den Schulabschluss und ne Lehre gemacht.
Der Weg war steinig schwer und gepflastert von verletztenden, dummen Spruechen.
Jeder wusste es besser.
Wir sind sehr stolz auf unser Leihkind.
Sie das, was man frueher als Dum bezeichnet hat... Sie hat nicht so einen hohen IQ, aber sie wollte es schaffen....
Legt euch ein dickes Fell zu.


Und keiner kann in die Zukunft schauen.


Liebe Gruesse Na

In der Regelschule, , in der ich arbeite, gibt es pro klasse 3,bis 5 Foerderschueler.

Camilla (Profil) schrieb am 24.02.2021 08:04

Hallo,

Neben dem erwähnten Kontakt zu Beratungsstellen und Kinderärztin würde ich um ein Gespräch mit der Schulleitung ihrer künftigen Schule bitten und dort fragen, wie sie mit Kindern umgehen, die nicht so schnell lernen. Gibt es Fördermöglichkeiten in der Schule, wie gut sind sie auf unterschiedliche Tempi und Temperamente der Kinder eingestellt etc. Einfach um zu erspüren, ob sie dort in jedem Fall gut aufgehoben ist, oder ob es vielleicht besser wäre, einen anderen Platz zu finden.

Ansonsten würde ich auch sagen, freu dich an deinem Kind und stärke ihr den Rücken. Es muss nicht jede/r Professor werden.

LG Camilla

Anonym schrieb am 24.02.2021 08:51

UNGEHEUERLICH !
Hier vier Kinder , alle sehr verschieden. Einer mit belegter Hochbegabung , stellt sich aber "dumm" . Zwei weitere auch sehr wach und teilweise etwas "frühentwickelt". Ein Kind " entwicklungsverzögert" , das gab der Logopädin auch Rätsel auf.- Aber denk dran. Eine Logopädin ist eine Logopädin , alles andere ist nicht ihr Gebiet. Mal zum SPZ oder zu einem guten Kinderneurologen? Letzteres war unser Weg.
Vielleicht will sie auch gar nicht " aufwachen" , weil ihr das (unterbewusst natürlich) viel zu viel ist mit den vielen auffälligen Kindern um sich herum und bleibt lieber etwas träumend abwesend?
Alles Gute und wirklich nicht ärgern über solche nicht sonderlich wertschätzenden Äußerungen. Wer so etwas sagt, ist wirklich selber DUMM ! Und macht es sich einfach bzw. gibt nicht zu , selber nicht weiter zu wissen.

Henni (Profil) schrieb am 24.02.2021 09:51

Das ist wirklich eine sehr krasse Aussage. Und echt nicht auf dem Stand, wie heutzutage in diesem Bereich normalerweise agiert wird.
Logopäden haben einen sehr speziellen Blick auf ihren Bereich. Da sind sie sehr genau und differenziert, das muss ja auch so sein. Aber in diesem Fall scheint sie wirklich nicht das Ganze zu sehen.
Wenn nicht viele andere Punkte - evtl. organisatorische - für sie sprechen, würde ich mir eine andere Logopädin suchen.

Kinderzentrum macht oft sehr gute Diagnostik.
Und normalerweise - ohne Corona - wären wahrscheinlich bei der Schulanmeldung/-untersuchung schon Gespräche gewesen. Also ich rate auch, die Schule zu kontaktieren!

Wenn tatsächlich die kognitive Entwicklung verlangsamt ist - das hat sie ja wahrscheinlich grob gemeint - dann sollte das viel genauer betrachtet und diagnostiziert werden. Also, liegt es an einzelnen Bereichen der Wahrnehmung, der W.-verarbeitung, dem Arbeitsgedächtnis, dem logischen Denken, der Motorik.....etc. Wenn man das erstmal weiß, ist oft ziemlich klar, was dem Kind gut helfen kann.

Alles Gute Euch! Henni

dorle (Profil) schrieb am 24.02.2021 12:35

Hier meine Tips:

Egal wie intelligent ein Mensch ist - man lernt am besten durch stetige Wiederholung.
Macht eine Tafel wo tabellarisch die Wochentage oben stehen.
Jeden Tag wird ein kleines Bild eingeklebt/Magnete/ kreide (egal) was symbolisch dafür steht was an dem tag passiert ist.
dann sagst du: GESTERN gab es Gulasch! Gestern warst du im wald spielen! etc.
HEUTE gab es Nudeln! Morgen gibt es Suppe!
Und so immerweiter.
Das die Zeit eingeteilt wird ist für viele Kinder abstrakt und schwer zu verstehen.

Wenn die Kita sie nicht fördert nutzt ihr vielleicht ein Jahr länger Kita auch nichts.
dann würde ich mich gleich darauf gefasst machen, dass sie das erste Jahr wiederholt.

Hol dir Profis ins Boot.
Für Dyskalkulie, Sprachstörungen und ADS gibt es ausgebildete Leute.
das ist für Lehrer schwer.
Eventuell einen Einzelfallhelfer beantragen. Das kann lange dauern.

Ich habe jetzt ein jahr lang mit Förderschulen in der Ausbildung gearbeitet.
Wir haben Gartenbauhelfer ausgebildet.
Die Vermittlungschancen sind gut.

Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass die Kids mit stabilem Elternhaus die besten Chancen haben.
Am schlimmsten sind die dran, die nichts von ihren Schwächen wissen.
Am besten die, die einfach und selbstbewusst sagen: "Ich komm von der Förderschule. So ein Text ist mir zu schwer. Sowas kann ich nicht ohne Taschenrechner rechnen. "

Biete ihr hobbymäßig viel an um sich zu erproben: Ton, Malsachen aller varianten, Instrumente, Basteln, Nähzeug, Sport aller Varianten, Tiere etc....

Gib ihr Rückendeckung. Mach dich auf eine Zeit gefasst in der Du viel zu organisieren hast. Das Schulsystem ist häufig grausam zu denen die langsam sind. Lehrer sind oft überfordert und noch öfter wenig kritikfähig. Da muss man gaaanz zart sein. Das ist leider, leider auch meine Erfahrung.

Ich fand es auch sehr schwer anzunehmen, dass mein Kind nicht so easy lernt wie ich es konnte/kann.
Ich habe viel Lernmaterial gekauft. Schau dich um bei Montessori Lernmaterialien.

Das Wort dumm ist veraltet und negativ belegt. Außerdem ist es wenig spezifisch.
Es gibt auch schlaue Leute die dumm sind.
Es gibt auch dumme Leute die schlau sind.

Undja, die Welt ist groß und sie braucht ALLE Menschen - die "schlauen" und die "dummen".

Kucken wir uns die Welt doch an: kopfgesteuert und von Chemikern, Physikern und Mathematikern an den Rand des Abgrundes gesteuert. Getrieben vom großen "MEHR"...

Ich liebe sie, die kleinen Geister bei mir auf der Arbeit, die im Berufsfindungsjahr so ganz einfache Sätze sagen wie: "Ich will mal Verkäuferin werden! da kann ich nett sein zu den Leuten und Regale einräumen. Dann verdiene ich mir mein Geld und kauf mir was ich brauche!"
oder
" Ich will einfach nur draußen arbeiten. Das Wetter macht mir nix. Ich bin stark."

Du musst nur zusehen, dass dein Kind ein glückliches Kind ist und bleibt.

In der Schule müssen sich auch die schlauesten mal durchquälen, das ist normal. Immer lass sie ackern.
Anstrengung gehört dazu. Das wissen wir alle.

Hol dir Hilfe ins Boot und macht alle das Beste daraus.

dorle (Profil) schrieb am 24.02.2021 12:38

P.S. Ich wollte (im Text) die Förderschule nicht vorraussetzen für dein Kind. Ich hab nur wiedergegeben was mir hier auf Arbeit so begegnet ist.

Rita (Profil) schrieb am 24.02.2021 22:24

erstmal: gut, dass du hier geschrieben hast ;-)

es ist wichtig für dich, andere (nette) Leute dazu zu hören.
Es ist aufrüttelnd für alle, die es lesen, da kann sich jeder Gedanken machen.

Ohne Frage, ein seltsamer Kommentar dieser Logopädin - und wie wenig hilfreich.

Du hast viele Hinweise und Tipps bekommen, wieder mal richtig gut, das Forum.

dorle hat es toll auf den Punkt gebracht und Dinge zurecht gerückt mit klaren direkten Worten, das hab ich gern gelesen - danke schön!

Als Grundschullehrerin kenn ich "das Problem" (auch hier hat dorle Recht, wenn sie sagt, dass viele Lehrer überfordert sind).
Ich kenn auch Kommentare, die im Lehrerzimmer fallen, die wenig sensibel sind....
Es ist durchaus nicht immer leicht, im Lehreralltag die Sensibilität zu bewahren, das geb ich zu.

Aber es muss eben immer die Liebe zu jedem einzelnen kleinen Kind da sein - völlig egal, wie "gescheit" , "klug" oder "schwach" es ist. (Ha! das ist nämlich der schöne Lehrerausdruck, wenn ein Kind sich mit dem Lernen schwer tut)

Es wird immer sehr auf den Lehrer/die Lehrerin ankommen.

Ich wünsche dir und euch alles Gute!
Lass dich nicht unterkriegen,
LG Rita